Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 2. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

ſchule zu Offenbach Martin Schließmann aus Urberach. Derſelbe trat mit Beginn des Winter⸗ ſemeſters 1885 ſeine Stelle an und erteilt den Geſang⸗, Schreib⸗ und Zeichenunterricht an der An⸗ ſtalt, den Unterricht der Mathematik in V., der Naturkunde in VI. und V. und den Turnunterricht in IV. Als Acceſſiſt iſt gegenwärtig an der Anſtalt Nikolaus Koob aus Biblis, früher Schüler derſelben. Er trat ſeinen Acceß an nach hoher Verfügung vom 12. April 1885 und lehrt Mathe⸗ matik in VI. und III. b. und Geographie in VI. und iſt mit Heinrich Weyell aus Neu⸗Iſen⸗ burg Lehrer an der Vorſchule des Gymnaſiums, die am 20. Oktober 1884 mit 21 Schülern in 3 Altersſtufen vom zurückgelegten ſechſten Jahre an d. h. vom Beginn der Schulpflichtigkeit bis zum zurückgelegten neunten Jahre eröffnet wurde und gegenwärtig 36 Schüler zählt in beſagten drei Abteilungen.

Die evangeliſchen Schüler des Bensheimer Gymnaſiums erhielten ihren Religionsunterricht in der erſten Zeit des Beſtehens einer evangeliſchen Pfarrei 1852 bis 1854 gemeinſam mit den Stadtſchülern. Eine eigene evangeliſche Pfarrei entſtand nämlich zu Bensheim 1852, indem Pfarr⸗ verwalter Guſtav Schloſſer im Herbſt jenes Jahres die Paſtoration der jungen Gemeinde über⸗ nahm, nachdem Pfarrverwalter Steinberger zu Auerbach ſie ſeit Oſtern als Filiale verſehen hatte. Es wurde nun ein eigener evangeliſcher Gottesdienſt im Dalberger Hofe eingerichtet und Pfarrver⸗ walter Guſtav Schloſſer, gebürtig aus Hungen,(gegenwärtig Pfarrer zu Frankfurt a. M. im Dienſte der inneren Miſſion), wurde am 13. Januar 1854 auch am Gymnaſium als Religionslehrer eingeführt. Er erteilte 4 Stunden wöchentlich gegen eine jährliche Remuneration von fl. 100. Sein Nachfolger war Heinrich Kritzler, gebürtig aus Rimbach, der von Juni 1854 bis Ende 1856 die Pfarrei verſah und 1870 als Direktor des Predigerſeminars zu Herborn ſtarb. Von Ende 1856 bis Juni 1867 war Friedrich Simon aus Gießen mit den Pfarrgeſchäften der evangeliſchen Ge⸗ meinde betraut. Simon verließ am 1. Juli 1867 Bensheim und wirkt gegenwärtig als Pfarrer zu Bielefeld. Durch Allerh. Entſchließung vom 18. Juni 1867 wurde der ſeitherige Pfarrverwalter zu Erbach i. O. Friedrich Theodor Karl Anthes zum evangeliſchen Pfarrer zu Bensheim und durch hohe Verfügung vom 18. Juli zum evangeliſchen Religionslehrer am Gymnaſium ernannt und trat am 19. Auguſt dieſen Unterricht an. Pfarrer Anthes iſt am 20. April 1835 zu Lich bei Gießen geboren, beſuchte das Gymnaſium zu Gießen und die Landes⸗Univerſität, wurde 1856 in das Prediger⸗Seminar zu Friedberg aufgenommen und beſtand im Februar 1858 die Definitorial⸗Prüfung. Nachdem er einige Zeit als Hofmeiſter gewirkt hatte, wurde er 1860 ordiniert und Pfarrverwalter zu Erbach, von welcher Stelle er nach Bensheim berufen wurde. Gegenwärtig erteilt er den evangeliſchen Religionsunterricht am Gymnaſium in wöchentlich 10 Stunden.

Den Schreib⸗ und Geſangunterricht verſahen nach Grieſers Abgang(1834) Elementar⸗ reſp. Seminarlehrer als eine Nebenbeſchäftigung. Grieſers nächſter Nachfolger in beiden Lehrgegen⸗ ſtänden war Franz Joſeph Kunkel aus Dieburg, der ſchon in der Fondsrechnung von 1834 als Rektor bezeichnet und mit einem Gehalte von jährlich 22 fl. für Schreibunterricht, 1838 auch für Muſikunterricht mit weiteren 30 fl. jährlicher Vergütung erwähnt wird. Franz Joſeph Kunkel, Bruder des oben erwähuten Gymnaſiallehrers Sebaſtian Kunkel, wurde ſpäter Seminarlehrer

a. Weyell wurde Oſtern 1886 an die Realſchule zu Oppenheim verſetzt.