Aufsatz 
Aufgaben, Methode und Bedürfnisse unseres Unterrichts in der Chemie
Entstehung
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halb ſo groß, als die neueren.) Auch die electro⸗chemiſche Theorie wird in ihrem Weſen darge⸗ legt, das Richtige darin anerkannt, aber an einigen Beiſpielen klar zu machen geſucht, daß in neuerer Zeit eine Menge Subſtitutionsproducte erzeugt worden ſind, deren Entſtehungsweiſe mit dieſer Theorie im Widerſpruch ſteht.

Die nun folgenden Erſcheinungen: partielle Oxydationen, Chlorirungen u. ſ. w. führen den denken⸗ den Beobachter naturgemäß zur Typentheorie. Concentrirte Schwefelſäure und Kohlenſtücke werden in einer Retorte erhitzt; es entwickeln ſich, wie dem Schüler leicht nachgewieſen wird, Kohlenſäure und ſchwefelige Säure(802); die Schwefelſäure iſt demnach auf eine niedrigere Oxydationsſtufe zurückgeführt. Geht man von waſſerfreier Schwefelſäure aus, ſo wird ſich der Vorgang einfach aus der Gleichung

2803+ C= 2802+ C02

erklären laſſen. Da wir aber bekanntlich nicht den Körper 8O03 ſondern SII2O, verwenden, ſo muß der Vorgang ſo erklärt werden, daß je ein Molekül SOz ein Atom Sauerſtoff abgibt, das übrig⸗ bleibende Molekül SH.Oz aber in S02 und H0 zerfällt. Weil aber zur Bildung von 1 Molekül C02 2 Atome 0 nothwendig ſind, ſo müſſen nothwendig 2 Moleküle S2Oz in Mitwirkung gedacht werden. Der Vorgang Aklart ſich demgemiß durch die Gleichung 4 10

SII2Oa SI0.

8HOG C= SIO CO.= 802+. H.0 00.

Dieſer Verſuch beweist, daß in dem Molekül der Schwefelſäure 2 Atome Sauer⸗ ſtoff in innigerer, feſterer Verbindung mit dem Schwefel ſtehen, als die übri⸗ gen Atome und daß, wenn ein Zerfallen der Schwefelſäure in dieſer Richtung hervorgerufen wird, ſie in die Gruppen 80H2O und 0 zerfällt. Will man ſich von dieſer Gruppirung ein Bild durch die Formel machen, ſo könnte dieſe Formel geſchrieben werden:

ſS5, 80 oder einfacher 105 o.

Aus früheren Verſuchen iſt nun aber bekannt, daß auch die 2 Atome Waſſerſtoff in loſerem Zu⸗ ſammenhangmit den übrigen Atomen in dem Molekül ſtehen, da ſie ſich ja durch verſchie⸗ dene Metalle leicht austreiben laſſen. Die Spaltung berührt den Sauerſtoff in dieſem Falle nicht. Soll alſo die Formel zugleich ein Bild für dieſe Zerfällungsart ſein, ſo muß ſie geſchrieben werden:

80, H. 02

Dieſe Form genügt dem beiden Zerſetzungsarten. Man kann ſowohl den Atomencomplex 802, wie auch die 2 Atome IH ſich hinwegdenken, vüne daß die Formel ihren Zuſammenhang verliert: II

... 80 ii. o⸗ und 92ſo⸗ Der doppelt gedachte Reſt I bleibt bei der Einwirkung der Kohle, gibt aber ſofort 1 Atom O an die Kohle ab: 2 ii, O. O= CO. 21,0 Der Reſt II bleibt bei der Einwirkung von Metallen auf die Säure, nimmt aber ein zweiwerthiges

Metallatom auf:

Es iſt demnach. 02 die eigentlich rationelle Formel der Schwefelſäure, die uns nicht nur die Zahl

21. 4 und Art der Atome angibt, woraus der Körper beſteht, ſondern auch ein Bild der Gruppirung der einzelnen Atome in der Schwefelſäure gibt.