Aufsatz 
Aufgaben, Methode und Bedürfnisse unseres Unterrichts in der Chemie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Chloriden derſelben Elemente bekannt. Aber der Chemiker kann nicht allein Verbindungen hervorrufen, er kann auch fertige Verbindungenzerſetzen, und dies führt zur Vergleichung der Affinitäten und zur Subſtitution. Kupfer⸗ oxyd wird durch Waſſerſtoff zerſetzt, Bleioxyd, arſenige Säure, Eiſenerze u. A. durch Kohle, Waſſer und Kohlenſäure durch Kalium und Natrium. Die Reductionen der ſchwerer reducirbaren Oxyde(Kali, Natron, Phosphorſäure u. ſ. w.) werden beſchrieben. Auch Sulphide und Chloride werden, ſoviel als möglich und zweckdienlich, reducirt.

Daß der Abſchnitt über die Reductionen ſich naturgemäß hier anreiht, iſt ein nicht zu unter⸗ ſchätzender Vortheil der Arendt'ſchen Methode. Der Schüler hatte vorher die Oxyde, Sulphide und Chloride der wichtigſten Elemente entſtehen ſehen. Die natürliche Frage: Können dieſe Verbindungen auch wieder gelöſt werden? bietet den Vortheil, daß nicht, wie bei der alten Methode, die Vorſtellungs⸗ kraft der Schüler fortwährend mit neuen Verbindungen be⸗ und überlaſtet wird, ſondern es bieten ſich dem Schüler bei den folgenden Verſuchen dieſelben Verbindungen dar, die er ſchon kennt und trotz⸗ dem bleibt die Art ihrer Entſtehung intereſſant für ihn, weil dieſe ihm neu iſt. Außerdem hat er den Gewinn, daß er die Geſetze der Anziehung der Elemente unter ſich ſtudieren kann, ohne ſein Gedächtniß mit anderweitigen Dingen zu beläſtigen.

Die Zerſetzung des Waſſers durch den galvaniſchen Strom bietet nun die Gelegenheit, die Be⸗ ſtandtheile der Verbindungen nach Maß und Gewicht zu beſtimmen. Ein Raumtheil Sauerſtoff und 2 Raumtheile Waſſerſtoff bilden das Waſſer, wie die Verſuche mit dem Eudiometer ſchlagend nachweiſen. Der Schüler lernt erſt jetzt die Bedeutung der chemiſchen Formeln kennen. Das Zeichen H bedeutet nicht allein Waſſerſtoff, ſondern ein Atom Waſſerſtoff u. ſ. w. Ein Molekül Waſſer iſt nach dem Symbol HIO oder HO zuſammengeſetzt. Das ſpecifiſche Gewicht von I= 0,0693, das von O= 1,1056; folglich ſind die Elemente II und O im Waſſer dem Gewichte nach im Verhältniß 2.0,0693:1,1056 oder 2: 16 enthalten. Nimmt man demnach das Atomgewicht von H als 1 an, ſo muß das des O= 16 ſein. Auf gleiche Weiſe ergibt ſich aus der Electrolyſe der Salzſäure das Atomgewicht des Chlors= 35,5; hieran ſchließen ſich dann die Atomgewichte der übrigen Elemente an. Die unvollkommene Verbren⸗ nung des Kohlenſtoffs führt nun zum Geſetze der multiplen Proportionen und es folgt darauf die Vorführung der verſchiedenen Verbind ungsſtufen mit Sauerſtoff, Schwefel und Chlor.

Durch eine Reihe paſſender Verſuche wird nun nachgewieſen, daß Oxyde, Sulphide und Chloride durch Subſtitution der betreffenden Elemente(Schwefel, Chlor, Sauerſtoff), ſowie auch durch ſchwefelige Säure, Salzſäure und Waſſer in einander verwandelt werden können. Der innere Vorgang wird jedesmal durch die zugehörige chemiſche Gleichung klar gemacht. Der Schüler iſt durch die Maſſe von Verſuchen mit verhältnißmäßig wenig Körpern ſo vertraut mit dieſen chemiſchen Veränderungen und deren Bezeichnung durch chemiſche Formeln geworden, daß ihm die Stöchiometrie nicht ſchwer fällt; durch Vergleichung der ihm geläufig gewordenen Formeln wird ihm die Werthigkeit der Elemente klar: Waſſerſtoff, Kalium, Natrium verbinden ſich mit Chlor zu gleicher Atomzahl. Dagegen müſſen 1 Atom Sauerſtoff und 1 Atom Schwefel je 2 Atome Waſſerſtoff, je 1 Atom Calcium, Barium, Kupfer u. A. 2 Atome Chlor aufnehmen, um geſättigt zu werden, während Sauerſtoff, Calcium, Barium, Kupfer ꝛc. unter ſich, wenn es überhaupt der Fall iſt, ſich in gleicher Atomzahl verbinden, d. h.: Waſſerſtoff, Chlor, Kalium ꝛc, ſind einwerthige, Sauerſtoſſ, Schwefel, Calcium u. ſ. w. zweiwerthige Elemente. Die Hypotheſe über die Urſache dieſer verſchiedenen Werthigkeit, daß nämlich das Atom eines einwerthigen Elementes einen Angriffs⸗ oder Affinitätspunkt, das des zweiwerthigen deren zwei, das des dreiwerthigen drei ꝛc. habe, welche im Falle der Sättigung alle gebunden(beſchäftigt) ſein müſſen, iſt von Arendt klar entwickelt und die von ihm angewandte graphiſche Darſtellung der chemiſchen Veränderungen ſehr an⸗ ſchaulich. Wenn man die Schüler von vornherein daran gewöhnt, dieſelbe nicht als Spielerei, ſondern als ein werthvolles Hilfsmittel zu benutzen, ſo trägt ſie in der That viel dazu bei, die inneren Vorgänge bei chemiſchen Erſcheinungen klar zu ſtellen und ſie dem Schüler gleichzeitig leicht in das Gedächtniß einzuprägen.

Jetzt erſt lernt der Schüler Verbindungen höherer Ordnung kennen, zunächſt Hydrate (Kali, Kalk), dann Salze, die auf naſſem Wege dargeſtellt werden. Bei der Erklärung durch die chemiſche Gleichung werden noch die alten Formeln beibehalten, weil es nach Art der Bildung der Salze natürlich erſcheint: Durch Zuſammenmiſchen von Kali und Schwefelſäure oder Salpeterſäure entſteht Ka2O,SO oder