Aufsatz 
Aufgaben, Methode und Bedürfnisse unseres Unterrichts in der Chemie
Entstehung
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daß wohl jüngere Lehrer der Chemie ſich in ihrem an ſich recht lobenswerthen Streben dafür begeiſtern könnten, doch aber beſcheidener Weiſe davon abſehen ſollten, ein ſolches Buch in einer Realſchule von dem Umfange der unſrigen einzuführen. Trotz dieſes wohlgemeinten Rathes haben wir den Muth ge⸗ habt, das Buch bei uns einzufuͤhren, und ich glaube verſichern zu können, daß jeder Lehrer, der ſich vor der Mühe des darin vorgeſchriebenen Experimentirens nicht ſcheut, die ſchönſten Erfolge dabei hat.

Arendt beginnt mit der Erhitzung von Metallen an der Luft. Manche verändern ſich nicht,(Gold, Platin, Silber), andere(Zinn, Zink, Blei, Kupfer, Eiſen u. A.) überziehen ſich mit einem Körper, der vorläufig Aſche genannt wird. Die Frage entſteht nun, was Urſache dieſer Veränderungen iſt: die Hitze, oder die Körper, die mit den Metallen in Berührung ſind(Gefäß, Luft)? Nach kurzer Ueber⸗ legung wird zugeſtanden, daß die Hitze hierbei weſentlich influirt, die Gefäße aber keinen Einfluß haben werden, da dieſelben Veränderungen in Gefäßen von den verſchiedenſten Subſtanzen und auch ganz ohne Anwendung von Gefäßen vor ſich gehen. Es bleibt alſo noch zu unterſuchen, ob die Luft Einfluß aus⸗ übt. Zu dem Ende werden die Metalle unter Abſchluß der Luft erhitzt, zuerſt unter flüſſigem Borax. Sie bleiben klar. Da nun aber der richtige Schluß durch den Umſtand beirrt werden könnte, daß ſich die eben gebildete Aſche ſofort wieder in dem flüſſigem Borax löst, ſo werden die Metalle in einem Raum erhitzt, der von einem andern Gas, als der atmoſphäriſchen Luft ausgefüllt iſt. Die Schüler lernen zu dieſem Zweck den Waſſerſtoff kennen; es wird ihnen gezeigt, daß dieſes Gas zwar ſelbſt brennt, daß aber jeder brennende Körper in reinem Waſſerſtoff verlöſcht. Nun werden die Metalle in Glas⸗ röhren erhitzt, die durch einen Gaſometer mit Waſſerſtoff geſpeist werden. Sie bleiben klar, und hier⸗ durch iſt der Beweis geliefert, daß die atmoſphäriſche Luft bei der Aſchenbildung die Hauptrolle ſpielt. Der Schüler kommt nun von ſelbſt auf die Frage, in welcher Weiſe die atmoſphäriſche Luft die bewußte Umänderung hervorruft? Um dies zu unterſuchen wird der letzte Verſuch mit der Abänderung wiederholt, daß vermittelſt eines Gaſometers ein langſamer Strom getrockneter Luft über die erhitzten Metalle ge⸗ leitet und das austretende Gas in der pneumatiſchen Wanne aufgefangen wird. Der Schüler conſtatirt während des Experimentes die Aſchenbildung und findet, indem er das Auftreten der Gasblaſen vor den Metallen in der Trockenflaſche und hinter den Metallen in der pneumatiſchen Wanne beachtet, daß mehr Gas an die Metalle herankommt, als ſich in der Auffangeflaſche der pneumatiſchen Wanne anſammelt. Nach beendigtem Verſuche wird das Gas in dem letztgenannten Gefäß unterſucht und gefunden, daß in ihm jeder brennende Körper verlöſcht. Hiermit iſt der klare Beweis geführt, daß ein Theil der Luft Urſache der Aſchenbildung iſt und daß es derſelbe Theil iſt, der auch Urſache des Verbrennens iſt. Dieſer Theil wird Sauerſtoff genannt, der andere Theil Stickſtoff.

Die durchaus logiſche Behandlung des Stoffes leuchtet ſofort ein: die erſten Verſuche behandeln homogene Erſcheinungen, die leicht zu beobachten ſind, die folgenden ſind durch Nachdenken förmlich auf⸗ gezwungen; ſie ſind ſo logiſch, daß ſie nicht anders gedacht werden können.

Nun erſt wird der Sauerſtoff vor den Augen der Schüler dargeſtellt, zuerſt aus Queckſilberoxyd, dann in größerer Menge aus chlorſaurem Kali. Es wird dem Schuͤler gezeigt, daß alle Oxydationen in reinem Sauerſtoff viel heftiger vor ſich gehen, als in atmoſphäriſcher Luft, er lernt das Knallgas kennen, die Entſtehung des Waſſers durch Verbrennung des Waſſerſtoffs in Sauerſtoff. Es werden die wichtigſten brennbaren Körper theils in Sauerſtoff, theils in der Luft verbrannt und der Schüler auf die Einwirkung der(löslichen) Verbrennungsprodukte auf die Reagenzpapiere aufmerkſam gemacht. Hier⸗ nach werden einige Beiſpiele der langſamen und unvollkommenen Verbrennung vorgeführt und deren Ur⸗ ſache ebenfalls im Sauerſtoff erkannt.(Langſame Verbrennung des Phosphors im geſchloſſenen Raum; Zuſammenſetzung der atmoſphäriſchen Luft.)

Nun hat der Schüler einen Blick in die Chemie gethan, der ihn befähigt, die Aufgabe der Chemie erkennen zu können. Dieſelbe wird ihm, im Anſchluß an die bis jetzt beobachteten Erſcheinungen, klar gemacht, er kommt auf den BegriffElement. Die wichtigſten Elemente werden aufgezählt und diejenigen, die dem Sauerſtoff an Stärke der Affinität nahe ſtehen, zunächſt vorgeführt. Der Schwefel iſt den Schülern bekannt, ſeine verſchiedenen Modifikationen werden erzeugt, überhaupt ſeine phyſikaliſchen Eigenſchaften unterſucht wie bei jedem neu auftretenden Element und auf direktem Wege die Sulphide derjenigen Elemente gebildet, deren Oxyde der Schüler ſchon kennen lernte. Auf gleiche Weiſe wird der Schüler mit Chlor und den