Berufung als Lehrer am Gymnaſium und trat die Stelle im Januar 1818 an. Wegen der Beſetzung der Direktorſtelle wurde der Präſident durch Schacht auf Fr. Kohlrauſch auf— merkſam gemacht, der ſich durch ſeine„ſechs Reden über Deutſchlands Zukunft“, ſowie durch ſeine„Deutſche Geſchichte“ bereits einen Namen erworben hatte.¹) Im Sommer 1817 trat der Präſident von Lichtenberg mit K. perſönlich in Verhandlung. Ein humorvolles Wort jedoch, das der preußiſche Kultusminiſter von Schuckmann an K. richtete, machte das Anerbieten zu nichte. Die näheren Umſtände der Verhandlung erzählt er in launiger Weiſe:
„Als ich eines Nachmittags nach beendigter Schulzeit im Sommer 1817 mit den Büchern unter dem Arm in meine Stube trat, fand ich darin zwei Fremde auf mich wartend, welche ſich als Reiſende ankündigten, die gern noch mit dem Dampf- ſchiffe gegen Abend abfahren und mit mir etwas Dringendes verabreden wollten. Es war der Darmſtädtiſche Regierungspräſident von Lichtenberg und der Schulrat Schacht von Mainz. Der Präſident, ein ſchöner, einnehmender, natürlich offener Mann, legte mir ohne Umſchweife die Frage vor, ob ich geneigt ſei, die Stelle eines Direktors des Gymnaſiums in Mainz und Oberſchulrats für die jenſeits des Rheines gelegenen Darmſtädtiſchen Schulen in Worms und Bingen anzu-— nehmen. Die Schulen ſollten reorganiſiert werden, und meine Verpflichtung zum eigenen Unterricht ſolle nur eine mäßige Stundenzahl umfaſſen. An Gehalt ſolle die Stelle auf 2500 Gulden nebſt freier Wohnung geſetzt werden.... Das Anerbieten war ſo vorteilhaft und zugleich auch dadurch anziehend, daß ich, wie in Düſſeldorf, an einer organiſierenden Tätigkeit teilnehmen ſollte, daß ich es nicht von der Hand weiſen durfte, ſondern mir nur einige Bedenkzeit ausbat. Sie wurde mir mit dem Wunſche, daß ich mich günſtig entſchließen mõchte, zugeſtanden. Die zweiſtündige Unterredung hatte gegenſeitiges Vertrauen erweckt, und meine Anhänglichkeit an Preußen war noch nicht ſo befeſtigt, daß ich nicht geſchwankt hätte. Da erſchien in denſelben Tagen der
»Miniſter des Innern von Schuckmann, der damals noch die Leitung des Unterrichts- weſens des preußiſchen Staates mit ſeinem Miniſterium vereinigte, in Düſſeldorf. Der Regierungsrat Delbrück machte ihn mit dem mir von Mainz aus gewordenen Antrage, den ich der Regierung anzuzeigen für Pflicht gehalten hatte, und dem Wunſche der Regierung, daß man mich halten möchte, bekannt. Der Miniſter ließ mich rufen und redete mir etwa in folgender Weiſe zu:„Bleiben Sie in unſeren Dienſten, Preußen iſt ein großer Staat, in welchem Ihnen eine größere Laufbahn offen ſteht, als in Darmſtadt. Wir wollen Ihre Stellung gleich hier verbeſſern, ſo viel es die Mittel er- lauben, und wenn eine ähnliche Stelle bei uns in einer Provinz frei wird, mit welcher die Leitung des höheren Unterrichts verbunden iſt, ſo ſollen Sie ſie haben. Uebrigens, ſetzte er mit gutmütigem Lächeln hinzu, rate ich Ahnen als Freund, halten Sie ſich an die großen Staaten, da ſind Sie weit vom Schuß, in den kleinen gucken Ihnen der Fürſt und der Miniſter in den Topf.“ Die Offenheit und Zutraulichkeit des ſonſt als ziemlich derbe verſchrieenen Miniſters machte einen günſtigen Eindruck auf mich; auch ging mir die letzte Bemerkung desſelben im Kopfe herum. Man gab mir eine Zulage, und ich blieb.“
Zur Ergänzung der Angaben Kohlrauſchs ſei ein an den Großherzog Ludewig l. gerichtetes Schreiben des heſſiſchen Staatsminiſters mitgeteilt, das in den Akten des Lroßh Miniſteriums enthalten iſt:
„Darmſtadt, 22. Sept. 1817. M. V. 3128. Betreffend die Beſetzung der Stelle eines Direktors des Gymnaſiums zu Mainz. E. K. H. ruhet es in gnädigſtem Andenken, daß A. H. D. uns autoriſiert haben, den proteſtantiſchen Profeſſor Kohlrauſch zu Düſſeldorf zum Direktor des ôffentlichen Unterrichts in den Großherzoglichen Beſitzungen auf dem linken Rheinufer zu berufen. Er hat hierauf ſeine Entlaſſung in Berlin nachgeſucht und hofft, ſie noch zeitig genug zu erhalten, um für das bevorſtehende Winterſemeſter bereits tätig zu ſein.
Auf die Wiederbeſetzung der ſchon ſeit länger als einem Jahr durch den ¹) Schacht war ein Freund des oben(S. 4) genannten Griepenkerl, Aeſthetikers und Profeſſors
in Braunſchweig, der als Student zugleich mit Kohlrauſch Mitglied der Herbartſchen pädag. Geſellſchaft in Göttingen war.


