Aufsatz 
Über den Lehrplan des Realgymnasiums
Entstehung
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Während der ersten Hälfte des Sommersemesters waren die Schüler der Militär- schule noch, wie in früheren Jahren, mit den Primanern des Realgymnasiums in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Disciplinen combiniert. Von der Mitte des Semesters an verblieben nur 4 derselben in dem früheren Verhältnis, und traten zu Herbst förmlich in die Prima über.

Um die Schüler im freien Vortrag vor einer grösseren Versammlung zu üben, wurden jeden Monat einige Morgenstunden dazu verwendet, die ganze Anstalt in Gegenwart des gesammten Lehrercollegs in dem grossen Saale zu versammeln. Die Schüler der beiden oberen Klassen hatten Abschnitte aus der Geschichte, aus der Literatur- geschichte, oder aus der Lectüre der Klassiker, die ihnen zuvor aufgegeben waren, in freiem Vortrage zu reproducieren; die Uebungen der Tertia beschränkten sich auf die Declamation von Gedichten. Ausserdem hatten sich die Schüler der oberen Klassen auch jedesmal auf den Vortrag zweier Gedichte in deutscher oder fremder Sprache vor- zubereiten. Den Schluss dieser Versammlungen bildeten die Gesänge, welche im letzten Monate eingeübt worden waren. Um die Unterrichtsstunden keines Lehrers durch diese Uebungen zu benachtheiligen, war festgesetzt wordeu, dass dieselben jeden Monat um einen Tag fortrücken sollten, wodurch der Ausfall dieser Stunden sich gleichmässiger über die ganze Anstalt ausdehnte, und in keinem Unterrichtszweige besonders fühlbar wurde.

Nachdem der zur gemeinschaftlichen Benutzung der beiden hiesigen Gymnasien her- gerichtete Turnplatz endlich vollendet und somit einem lange gefühlten Bedürfnis abgeholfen worden, konnte der Turnunterricht am 8. Juni begonnen werden. Seit jenem Tage erhielten unsere Schüler wöchentlich zweimal in den Abendstunden von Collaborator Weldert vom humanistischen Gymnasium ihren Turnunterricht. Alle, welche nicht aus Gesundheitsrücksichten davon ausgeschlossen werden mussten, betheiligten sich mit grosser Freude an demselben und haben, nach dem Zeugnis des Lehrers, recht schöne Fortschritte gemacht. Zur besseren Handhabung der Ordnung war es für zweckmässig erachtet worden, dass jedesmal ein Lehrer des Realgymnasiums diesen Uebungen beiwohnte. Es ist nur zu bedauern, dass, da wir noch keine Turnhalle besitzen, der Unterricht für die Gesammtheit der Schüler während des Winters ausgesetzt werden muss. Die Vor- turner der einzelnen Riegen sind auch während des Winters von Herrn Weldert weiter ausgebildet worden.

Theils die ungünstige Witterung im letzten Sommer, theils die unruhigen LZeitver- hältnisse haben eine stärkere Betheiligung unserer Schüler am Schwimmen in der Schwimmschule zu Biebrich nicht gestattet. Einzelne Schüler hatten ihren Cursus zwar schon begonnen, mussten denselben aber später aus obigen Ursachen wieder aufgeben.

Zu ihrer weiteren Ausbildung im gebundenen Zeichnen sind auch in diesem Jahre zwei Schulamtscandidaten, Ad. Schmidt von Wörsdorf und Jacob Schramm von Daisbach durch Regierungs-Rescript vom 19. Mai 1866 ad Num. Reg. 15037 dem Real- gymnasium zugewiesen worden. Unter der speciellen Leitung des Lehrers der descriptiven Geometrie, Dr. Hildenbrand, haben sich dieselben an dem gesammten Unterricht in diesem Fache in allen Klassen, sowie an dem arithmetischen Unterricht in Tertia, und