24 Schule in meiner Residenz zu Offenbach am Main bei Frankfurt gewährt haben, der Schule fernerhin zufließen zu lassen, und zwar soll diese Schule durch die Königliche Freigebigkeit alle Halbjahr 15 Pfund Sterling erhalten, bis¹) man in Ihrem Reiche einen Fonds für die genannte Schule bilden könne. Diese Spende ist von der hochseligen Königin Marie festgesetzt und durch den hochseligen König Wilhelm III. ebenso wie durch die letzte Königin Anna weiter gewährt worden. Und da die genannte Schule seit dem Tode dieser hochseligen Königin ruhmvollen Angedenkens weder die Zahlung des laufenden Jahres noch die kleine Summe, welche noch ausstand, er-— halten hat, nehme ich mir die Freiheit, mit Ihrer gnädigen Erlaubnis, meine Zuflucht zu Ew. Majestät zu nehmen als den Schutz und Schirm in der jetzigen Zeit. Ich sehe mich hierzu durch die trostlose Lage veranlaßt, welche die Schule, die in der Vergangenheit hauptsächlich durch die oben gepriesenen Zuwendungen dreier Könige von erhabenen und gutem An— denken gegründet und erhalten wurde, nicht anders wird vermeiden können; und es gibt nichts, das sie aus dieser Gefahr herausreißen kann als der gütige Beistand Ew. Majestät, indem Sie die Fortdauer der gleichen außer-— ordentlichen Gnaden-Zuwendung bestätigen und denienigen, die solche Geld- spenden zu verteilen' haben, nachdrücklich befehlen, das noch ausstehende Geld zu bezahlen und in Zukunft mit der Bezahlung der bestimmten Summe fortzufahren. In dieser unerschütterlichen Hoffnung auf Erfolg werde ich niemals aufhören, mit der Jugend, die davon zum Ruhme Gottes Vorteil haben wird, für das Wohl und das Glück Ew. Majestät tausend Gelübde zu tun und Gott von ganzem Herzen zu bitten, daß er Ihren überall be-— kannten Edelmut zur Beibehaltung dieser erhabenen Gnadengabe rühren möge, und verbleibe u. s. w.
Mit diesem Briefe, der noch einmal das Verhältnis der latei-— nischen Schule zu dem englischen Königshause eingehend berührte, hatte der Graf nur den Erfolg, daß noch eine letzte Spende(grati-— fication, Extravergütung) von 18 Pfund 6 Schilling bezahlt wurde, siehe S. 19. Der vorstehend abgedruckte Brief ist der letzte nach England gerichtete Brief, den unsere Akten enthalten.
Das Schulgebäude.
Wo die Schule zuerst untergebracht war, läßt sich aktenmäßig nicht feststellen. Ein besonderes Gebäude wurde zunächst nicht für sie errichtet. Zumeist wird angegeben,²) daß die Lateinschüler zuerst im Pfarrhaus in der Schloßstraße, der seitherigen Dienstwohnung des Hofpredigers Bröske, für den ein neues Haus gebaut wurde, unter-— richtet worden seien. Da Bröske in so hervorragendem Maße an der Gründung der Schule beteiligt war, so ist die Aufnahme der ersten Schüler im Pfarrhaus sehr wahrscheinlich.
Erst im zweiten Jahrzehnt des Bestehens der Lateinschule bemühte sich der Graf, ein besonderes Schulhaus für sie einzurichten. In dem Vol. II unserer Schulakten findet sich eine Anzahl von Aktenstücken, die unter dem Gesamttitel zusammengefaßt sind: „Offenbacher Schul. Original-Kauf-Contract samt Zubehör in spee. Wie IIlustr. Herrn Grafen Johann Philipsen Hochgrafl. Gnad. den zur Glashütten angelegten Bau von denen Interessenten erkauft und nachgehends Vor die Lateinische Schul aptiren laßen. 1700“²)
Das Haus in der Herrnstraße war von einem Franzosen,
1) S. Anm. S. 22.
2) Königfeld S. 99, Pirazzi S. 78, Sommerlad S. 20, Jöst S. 74.
³) 17090 fand der Kauf statt, nicht 1708, wie irrtümlich in sämtlichen Schriften über Offenbach angegeben ist.


