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Von anderen Geldspenden von Privatpersonen hören wir nichts. Das Hauptergebnis war, daß die Königin Marie von Eng— land, Gemahlin Wilhelms JII. einen jährlichen Zu-— schuß zu den Kosten der Schule im Betrag von 30 Pfund Sterling bewilligte. Der oben genannte Dr. Horneck hatte die Angelegenheit vermittelt. Hierüber gibt ein Brief des Grafen an Dr. Horneck Aufschluß.
Nr. 7. Brief in französischer Sprache.
Monsieur.
Le Sr. Brösque Ministre Ordinaire de la parole de Dieu à ma Cour estant de retour de son voyage qu'il a fait par la Hollande en Angleterre, dans la relation, qu'il m'a faite des ses avantures, s'est extrememant elargi sur le chapitre de la magnifique liberalité de Sa Majesté de la Reine de la Grande Brettagne de la France et de Irlande, en disant comme elle se soit declarée de faire avancer tous les six mois(15) quinze livres de Sterlings pour la maintenue de LEscole dans ma Residence à Offenbach sur le Mein pres de La Ville de Frankfurts.... u. S. w. In dem Briefe wird dem Königspaar gewünscht,„que Dieu le tout puissant... les veuille accomplir de toutes ses graces et benedictions divines, pour la defence de la Foy Orthodoxe Chrestienne“ und der Hof- prediger als ein Mann bezeichnet,„que Dieu a fait digne d'estre l'instrument elu à monstrer à leurs Maijestés e vraychemin de la vie eternelle.“
Auch in anderen Briefen wird oft darauf hingewiesen, daß König und Königin als Verteidiger des rechten christlichen Glaubens den Segen Gottes verdienten, daß in England die wahre christliche Religion und reine Gottesverehrung geübt werde u. s. w. Wir dürfen wohl annehmen, daß die Erwägung und Zusicherung, die Schule werde einen echt protestantischen Charakter haben, auf die Ent- schließung der Königin von entscheidendem Einfluß gewesen ist.
Noch ein kurzes Wort über den Grafen Johann Phi- lipp. Man wird heute, wo man gewohnt ist, in einfachen Worten gerade aufs Ziel loszugehen, über den schwülstigen Ton der Voll- machten und der anderen Schriftstücke lächeln. Doch wird man anerkennen, daß in der Dotation und auch in den Vollmachten etwas Großzügiges liegt, wenn man bedenkt, unter welchen Ver-— hältnissen der Graf seinen Plan zur Durchführung brachte. Zu einer Zeit, da in Deutschland noch vom dreißigjährigen Krieg her allenthal- ben Armut herrschte, da neue Kriege im Osten und Westen entbrannt waren, hielt er, von idealen Gesichtspunkten geleitet, an einem Plane fest, der in damaliger Zeit manchem abenteuerlich erscheinen mochte. Seine natürliche Klugheit ließ ihn dabei die geeigneten Maßregeln ergreifen, die zum Ziele führten.
Die Zuschüsse aus England.
Im festen Vertrauen auf die Zusage der englischen Königin wurde die Schule im Mai 1601 eröffnet. Doch statt der 30 Pfund Sterling, auf die man gerechnet hatte, gingen im Jahr 1601 nur 10 Pfund, im Jahr 16092 nur 15 Pfund aus England ein. Um die


