Aufsatz 
Zur Geschichte der Offenbacher Lateinschule
Entstehung
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strum Aulicum et Residentiae nostrae primarium, eique literis hisce patentibus viam ad Exteros Religionis nostrae Refor- matae Consortes strui atque muniri. Quare etiam omnes et singulos ad quorum manus aut oculos haec penetraverint pro digni- tate status ac conditionis obsequiosissime rogamus, ut portatori harum Pastori nostro Aulico benevolum et gratiosum ante omnia accessum commodare, dein quoque literis hisce nostris dictisque mandatarü nostri narratis haud gravatim fidem habere atque ita desuper sese declarare dignentur, uti spes nostrae nos expectare faciunt, et favor et dignitas rei ipsius postulant. Quod ipsum sicuti ad incrementum verae Ecclesiae Christianae Regnique coelestis propagationem unice tendit adeoque tam DEO quam hominibus omnimodo gratissimum, ita eêt nos vicissim officiis atque obsequiis nostris paratissimis data occa- sione demereri cunctos nullo unquam tempore intermittemus. In quorum omnium fidem literas hasce patentes propria non solum manu subscripsimus, sed etiam sigillo nostro Maiori Coroborari jus simus, datas Offenbaci ad Moenum XV. Calend. Julii Anno MDCXC. (Siegel.)(Eigenhändige Unterschrift:) Johannes Philippus Comes ab Vsenburg et Budingen.

Zu deutsch:

Wir Johannes Philipp Graf zu lIlsenburg und Büdin- gen etc. entbieten allen, zu deren Kenntnis diese unsere Vollmacht ge- langt, unsern Gruß und versichern sie bereitwilligst unserer Dienste je nach Stand und Würde eines jeden.

Wohl ist vor allen andern der Staat glücklich zu preisen, in dem die guten Sitten mehr gelten als die guten Gesetze, und es erscheint durch- aus richtig, daß eifriges Studium der Wissenschaften die Sitten mildert und sie nicht verwildern läßt. Ja es ist wohl gewiß, daß die freien Studien die Jugend fördern, das Oreisenalter erheitern, im Glück eine Zier, im Unglück eine Zuflucht sind und Trost gewähren. Die Schulen aber und Gymnasien sind die Werkstätten, aus denen wie aus Pflanzschulen alle die hervorgehen, die der Kirche und dem Staate dienen oder sonst Ehre machen wollen, in so hohem Maße, daß alles im Staate blüht und gedeiht, wenn die Schulen in gutem Zustande sind. Denn die Hoffnung für das ganze spätere Leben hängt von einer guten Erziehung ab, die ja die ursprünglichste Grundlage des Staates bildet, sowie man eine gute Ernte erhoffen darf, wenn die Saat gut bestellt wird. Deshalb tun auch die, welche die Jugend nicht gehörig unterweisen, nicht nur den Kindern selbst, sondern auch dem Staate das größte Unrecht an, zumal die Kinder Glieder und Teile des Staates sind. Und so wie ein Garten zu Grunde gehen muß, wenn nicht der Gärtner, bevor die Bäume absterben, neue pflanzt, beschneidet, gerade richtet, veredelt, so führt die Vernachlässigung der Schulen öffentlichen Schaden herbei, so daß alles in Barbarei ver- fällt, ja gerechtes Regiment schließlich in Gewaltherrschaft ausartet, und während das Verderben im inneren sich weiter und weiter verbreitet, an den eigenen Ubeltaten zu Grunde geht. Daher hat jener Philosoph nicht mit Unrecht die Behauptung aufgestellt, die Staaten werden glücklich sein, wo entweder die Philosophen regierten oder die Staatslenker sich mit Philosophie beschäftigten, natürlich nur wenn man hierunter die wahre und nicht die Scheinphilosophie versteht. Dies ist wirklich zu allen Zeiten und bei allen Völkern, die auf das eigene Wohl bedacht waren, offenbar sehr eifrig erstrebt worden; und um von jenen Völkern, die der wahren Religion entbehrten, z. B. von dem alten römischen Staate, anderen zahl- losen Reichen, Provinzen, Gemeinden und Republiken für jetzt zu schwei- gen: vor allem bei den Juden galt einst und bei uns Christen gilt jetzt fast allgemein die Hauptsorge der Könige und Staaten den Schulen oder müßte ihnen sicher gelten. Daher kommt es auch, daß gerade die Für- sorge für die Errichtung und Gründung von Schulen zu den höchsten

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