Aufsatz 
Johann Georg Zimmermann und Johann Gottfried Herder nach bisher ungedruckten Briefen
Entstehung
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30 5. Elsau, den 17. Heu Monat 74.

Mein Theuerster Lavater!

Dass in und um TZürich herum viel Gered und Lärm um Herders himmlisches Buch ist, wissen Sie ohne Zweifel und sahens vorher und wundern sich nicht darüber so wenig als ich Was ja von je Welten her das Schicksal jedes ausserordentlichen Genies! Man neidt ihm seine Grösse mit der über andere hervor- ragt, und hält sich stark darüber auf dass's nicht mit andrer Schaar auf gleichem Wege fortrennt Und wenn's dann noch so manchem der doch auch meint einen Namen zu haben auf der Erde, so muthig gegen die Stirn fahrt und an's Herz greift, was kann in unsrer Welt am Anfang und End entstehen, als Hohn und Spott und Lästerung Was dann bei Herdern umso mehr zZutrifft, weil seine nervigte Sprache manchem Torheit und Aergernis ist und Dunkel verbreitet. Hätt Er im schleichenden gewässerten Tone unserer hoch und wohlberühmten Schriftsteller geschrieben viel- leicht würd' mancher, der jtzt muthig mit verurtheilt, des Rühmens kaum satt, so wenig dann auch an eines solchen Rühmen gelegen sejn mögte. Aber dies sind dann eben die hierren die zurück- fahren wenn Selbstdenken und angestrengtes Aufmerken Noth ist, und nicht jede Idee quoad materiam et formam fein gerad und sachte ohne unter weges anzustossen in die Seele fahrt, und sich gar freundlich an die schon vorhandenen anschliesst und dann giebts eben den Lärm und Unsinn und Schwärmerey und da hätt ich auch guter Dinge eingestimmt wenn diess Buch vor ein paar Jahren erschienen wäre aber nun ist's anders Genug kann ich Ihnen und keiner Seele sagen und rühmen, was mir Herder ist wie viel ich schon von ihm gelernt und durch ihn gefühlt habe Im ersten Theil so simpel, so klar, so in die Augen springend dass einen Wunder nimt wies unsere bisherige Bibel- erklärer so unsinnig vorbeigerennt sind Vielleicht wars ihnen aber zu simpel und gelehrter Kram zu viel werth Ich hab' meine Bücher, deren ich ein schön Theil gelesen, auf die Seite gelegt seit ich Herdern gelesen wo sie dann auch wohl liegen werden manche für immer. Und wenn sich auch kein Mensch mehr Herders Buch loben würde, so würd' ich mirs doch loben und unentwegt zusehen der gantzen Schaar Lacher und Schmäher und aufgebrachten Vorurtheil, und treu seyn der Wahrheit Wie, u. Wo und Wenn sie mir in die Seele leuchtet, sie festpflanzen ins Herz sie mit der Zunge zu lehren, und Will's Gott! mit dem Leben zu