Aufsatz 
Johann Georg Zimmermann und Johann Gottfried Herder nach bisher ungedruckten Briefen
Entstehung
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rückhaltlosen Ausdruck verleiht? Als diesem schwergeprüften Manne der Sohn in unheilbare Krankheit verfallen, als ihm die Tochter im jugendlichen Alter durch den Tod entrissen worden, hat Herder kein tröstendes Wort für den früheren opferfreudigen Freund, soweit bis jetzt festgestellt werden muss. Es wäre des- halb sehr zu wünschen, dass die verlorenen Briefe Herders an Zimmermann wieder aufgefunden würden, damit sie womöglich ein milderes Licht verbreiten.

Düntzer schliesst seine Vorrede zu den Briefen Zimmermanns an Herder mit den Worten:Konnte ja auch die Schweiz, das Land männlicher Freiheit und ungebeugten Gradsinns, ihn nur als seinen entarteten Sohn beweinen. Mögen auch schwere Schicksalsschläge, ein unsagbar schweres körperliches Leiden, das er nur seinem Freunde Sulzer schildert und von dem er in Han- nover nur in der ihm vertrauten Familie Döring sprechen kann, sein eigenes Leben und das anderer verbittert haben, so hat es doch Zimmermann anmännlicher Freiheit undungebeugtem Gradsinn nie gefehlt. Und wenn auch dieser Mann in seinen späteren Jahren mit scharfen Worten gegen seine Landsleute vor- ging, so möchten wir doch, was das Land selbst anbetrifft, mit den Worten schliessen, die Zimmermann am 23. August 1762 von Brugg aus an den nach der Schweizer Heimat zurückgekehrten Dr. Sulzer, seinen späteren treuen Freund, gerichtet hat:Mich dünkt, ich müsse alles mitempfinden, was Sie bey der Heimkehr in ein Vaterland empfinden, dessen Ehre und Stolz Sie sind, das Sie als eine zärtliche Mutter auch in der Ferne geliebet und nachdem Ihr Herz so lange so inbrünstig sich gesehnt hat. Hier ist Frieden, hier ist Ruhe, hier hören noch einsame Wälder den frohen Chor der Musen, hier glänzen noch unentweihte und mit keinem Blute bedüngte Auen, hier können Sie in ungestörter sorgloser Stille den Saamen des Schönen, des Wahren und des Guten über die ganze dankbare Erde verbreiten.

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1. Hannover 19. December 1775. Liebster Herder ich schreibe Ihnen durch einen Expressen, um die unangenehmen Gedanken abzuwenden die Ihnen ein Rescript unsers Königlichen Ministerii erwecken könnte, das Sie in ein paar Tagen erhalten werden, und um Sie zu hindern in gerech- ter Indignation etwa auf der Stelle einen Schritt zu thun, der

für ihre Ihnen innigst ergebene Freunde schmertzhaft wäre. 2*