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Was die Streitfrage mit Lichtenberg anbelangt, mögen einige Stellen aus dessen Briefen sprechen. In einem Briefe vom 23. April 1778, der an H. Chr. Boie gerichtet ist und bis zum Jahre 1901 ungedruckt geblieben war, sagt Lichtenberg:„Man verzeiht hier Zimmermann in sofern, als in Brugg hiesige Grobheit noch immer Artigkeit ist, und hält ihn für einen leeren Hochmüthigen, der schon seit geraumer Zeit alle ernsthaffte Wissenschaft an den Nagel ge- henckt hat. Meine Schrift gegen ihn ist schon vor drei Wochen fertig gewesen, und ich habe sie Freunden vorgelesen. Nur die lezte Hand fehlt noch, und nun, da die neuen Noten gekommen sind, muss sie auch gröser werden. Ich habe ihn darin als einen Mann behandelt, der keiner Achtung würdig ist, und der, glaube ich, so lange er lebt, keinen eigenen Gedanken gehabt hat, immer gegen Leute, die ihm nicht opfer- ten, als ein Bengel verfuhr, und sein bisgen Credit guten Freunden und etwas Schweitzer Prose zu dancken hat.“—„Zimmermann habe ich nicht beleidigt. Em- pfohlen habe ich ihn. Was geht ihn Lavater an. Und wie kann sich ein Mann unterstehen, Lavatern zu vertheidigen, der sich lieber Lavaters Beystand ausbitten sollte, um bestehen zu können.“ (Ebenda.)
Auch andere Stellen in Lichtenbergs Briefen(herausgegeben von A. Leitzmann und C. Schüddekopf. 3 Bände. Leipzig 1901 bis 1904) geben uns Kenntnis von der Erbitterung, mit der man damals stritt. Lichtenberg dürfte durch die vorstehenden Worte wohl schwerlich den Beweis dafür erbracht haben, dass„hiesige“ (in diesem Falle Göttingische oder genauer Lichtenbergische)„Grob- heit in Brugg noch immer Artigkeit“ sei.
Wir sind ferne davon, Zimmermann von jeder Schuld freizu-— sprechen. Durch sein körperliches Leiden, durch die schweren Schicksalsschläge, die ihn betroffen haben, ist sein Wesen stets unverträglicher geworden. Die grenzenlose Eitelkeit, die seine Gegner ihm immer vorwarfen, hatten diese zum grossen Teile auch. Der Briefwechsel vieler bedeutender Männer jener Zeit ist der Be- weis dafür.
Wir haben bei der vorstehenden Schilderung etwas verweilen müssen, weil augenscheinlich Düntzer durch die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast allgemein verbreitete Ansicht über Zimmer- mann bei der Herausgabe der Briefe beeinflusst erscheint. Er sagt zwar in seiner Vorrede(B. II, S. 327):„Die mit so vielen Hindernissen kämpfende, endlich, wo die Erfüllung nahe schien,


