Aufsatz 
Johann Georg Zimmermann und Johann Gottfried Herder nach bisher ungedruckten Briefen
Entstehung
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denkbar, dass ein Mann, der jederzeit unentwegt seine Meinung offen aussprach, ein solches Bild von seiner Tochter hätte ent- werfen können, wie er es im 3. Teil seines WerkesUeber die Ein- samkeit getan hat? Wo gäbe es einen Vater, der nach dem frühen Tod seiner Tochter schreiben könnte:Ich hätte mein Leben für sie hingegeben, und sie das ihrige für mich, wenn dieser Aus- spruch nicht Wahrheit wäre?

Im Dezember 1777 ist der Sohn in völligen Wahnsinn ver- fallen; im September 1781 starb die Tochter an der Schwindsucht. Das Herz des auch körperlich schwer leidenden Vaters wurde von tiefem Weh zerrissen. Das schwere körperliche Leiden, das er mehr wie einmal seinem Freunde Sulzer in allen seinen Folgen schildert, musste, wie der Arzt erkannte, auf seine nächste Um gebung, auf seine Kinder, den tiefsten Eindruck machen, ihr Ge- müt belasten und dadurch schädlich wirken. Zu dem körperlichen Schmerze wäre dann ein seelisches Leiden gekommen, das der Vater von seinen Kindern und sich selbst fernhalten wollte. Darf die Trennung von seinen Kindern, die der Arzt für nötig er achtete, nicht als Opfer angesehen werden, das der Vater ihnen brachte?

Der letzte, von Bodemann gedruckte Brief Herders an Zimmer- mann trägt von dessen Hand die Bemerkung:Empfangen den 26. März 1776. Aus einem Briefe vom 4. Februar 1779 geht hervor, dass Herder am 22. Januar 17790 an Zimmermann geschrieben hat. Am 14. Mai desselben Jahres schrieb Caroline Herder an Zimmermann, was dieser in einem Briefe vom 30. Mai 1779 be- stätigt. Aus späterer Zeit liegen keine Briefe vor, die dazu be- rechtigten, von einem Briefwechsel zwischen den beiden Männern zu sprechen.

Ihr Freundschaftsbündnis war gesprengt. Wenn man Düntzers Vorrede zu den Briefen Zimmermanns liest, muss man denken, dass die Schuld daran allein auf dessen Seite liegt. Herder schreibt allerdings im Sommer 1779 an Lavater:Es ist schlimm, wohin der Mann verfällt. Das meiste ist seiner unwürdig und aus den Streitigkeiten mit Kästner, Lichtenberg etc. kann auch nichts werden. Thue das Deine hinzu, dass er ehrlich herauskomme und dann schweige.

Diese Streitigkeiten sind von Bodemann im 8.11. Kapitel seines Buches dargelegt und des Näheren beleuchtet; wir sehen deshalb von einer Wiedergabe ab.