Aufsatz 
Johann Georg Zimmermann und Johann Gottfried Herder nach bisher ungedruckten Briefen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

gunst und Neid bei denen, die sich durch sie in den Schatten ge- stellt sahen. Beide traten von dem übernommenen Amte eines Erziehers zurück, als sie die gewünschten Erfolge nicht sahen, beide fühlten sich dann in einen Wirkungskreis versetzt, in dem sie trotz des besten Willens das nicht erreichen konnten, was sie mit Aufbietung ihrer ganzen Persönlichkeit erstrebten.

Herder fühlte sich in Bückeburg nicht glücklich. Der Graf und sein neuberufener Konsistorialrat waren edle Männer; ihre Neigungen und Ansichten standen sich jedoch vielfach entgegen, sodass trotz redlichen Bemühens ein inniges, freundschaftliches Verhältnis nicht möglich ward. Zwar zeigte sich die Gräfin durch ihr sanftes Wesen als Vermittlerin, und nach Herders Verheira- tung waren die beiden Frauen sich sehr bald herzlich näher ge- treten; doch Herders Wunsch nach einem anderen Wirkungskreise war nie geschwunden.

Da schrieb Heyne aus Göttingen, wo Herder ihn bei einem Besuch auf der Göttinger Bibliothek kennen gelernt hatte, am 11. März 1773 an seinen Freund, dass eine Professur neu besetzt werden solle. Auch in Hannover hatte man die Berufung Herders auf diesen Lehrstuhl schon erwogen.

Hofrat G. Brandes in Hannover, der mit der Erledigung der Göttinger Universitätsangelegenheiten betraut war, hatte die Schriften Herders mit Begeisterung gelesen und war eifrig darauf bedacht, einen solch tüchtigen Gelehrten für die Hochschule zu gewinnen. Die Professoren der theologischen Fakultät, die sich durch die kernige, machtvolle Sprache Herders getroffen fühlten, taten jedoch alles, um dessen Berufung zu hintertreiben. Sie verstanden, bei dem Könige Zweifel an der Rechtgläubigkeit des zum Professor vorgeschlagenen und von der Regierung warm empfohlenen Mannes zu erregen, sodass durch Befehl des Königs eine Berufung von einer vorhergehenden Prüfung dieser Frage durch ein Kolloquium Herders mit den Professoren der theologischen Fakultät abhängig gemacht wurde. Hofrat Brandes und der Minister von Bremer mussten dem königlichen Befehle willfahren, sie hofften jedoch auf einen guten Erfolg ihrer Bemühungen, die stets zu Herders Gunsten von ihnen betätigt wurden.

Am 21. Dezember 1774 schrieb Zimmermann an seinen Freund Herder:Ihre Schwingen werden nicht mehr lange gelähmt sein, Ihr Feuer wird nicht mehr lange unter der Asche bleiben. Sie müssen und werden ganz gewiss bald erfahren, dass Ihre Schwingen Ihnen gegeben sind zu Adlersflügeln, und Ihr Feuer zu Licht und