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Schon gleich nach dem Tode des Dichters wollte seine Familie den Briefwechsel Herders veröffentlichen. Die stürmischen, kriege- rischen Zeiten im Anfange des 19. Jahrhunderts waren jedoch diesem Vorhaben nicht günstig. Aus den gesammelten Schriften und Briefen wurde vieles von Herders Gattin verwendet, die im Jahre 1820 die„Erinnerungen an J. G. von Herder“ herausgab. Auch die Briefwechsel anderer bedeutender Männer jener Zeit ent- halten zahlreiche Briefe Herders. Dessen Sohn, Emil Gottfried, gedachte später ein Lebensbild Gottfried von Herders herauszu- geben, von dem aber nur einige Bände 1846 erschienen sind. Das allzu umfangreich angelegte Werk fand in jener Zeit nicht die er- hoffte Aufnahme bei dem deutschen Volke, dessen Sinn damals auf andere Dinge gerichtet war.
Was dem Sohne des grossen Dichters nicht vergönnt war, brachte der Enkel zu stande. Ferdinand Gottfried von Herder und Heinrich Düntzer gaben im Jahre 1856 den I. Band von Herders Briefwechsel heraus, dem dann zunächst noch zwei andere folgten. Diese drei Bände führen den Titel„Aus Herders Nachlass“. Später folgten noch 3 weitere Bände, die unter der Bezeichnuug„Von und an Herder“ veröffentlicht wurden.
Beide Werke sollten nur bis dahin ungedruckte Briefe ent- halten, sodass die Gefahr eines allzu grossen Umfanges vermieden würde. Düntzer sagt in der Vorrede:„Manches schied sich von selbst als unwichtig aus oder schien nur für den künftigen Lebens- beschreiber Herders oder seiner Briefsteller von Bedeutung, in anderen Briefen war nur einzelnes zur Herausgabe geeignet; da- gegen trat eine Anzahl von Briefwechseln oder Brieffolgen als höchst werthvoll hervor, sodass ihre selbständige, fast ganz unver- kürzte oder nur Unwesentliches wegschneidende, den Faden des brieflichen Verkehrs festhaltende Vereientliehung sich als höchst wünschenswerth ergab.“
Seit dem Erscheinen dieses Werkes waren die Originalbriefe aus Herders Nachlass nicht mehr zugänglich; ihre Vergleichung mit den von Düntzer gedruckten Briefen war dadurch ausgeschlossen und damit auch ein Urteil darüber, was von den Herausgebern als wesentlich betrachtet oder unwesentlich ausgeschieden worden war. Alle späteren Veröffentlichungen dieser Briefe aus Herders Nachlass gehen deshalb auf die Ausgabe Düntzers zurück und gründen sich auf dessen Urteil über ihren Wert.
Während eines Studienaufenthaltes in Genf ist dem Unter- zeichneten nun das grosse Glück beschieden gewesen, die bis


