3 enn die Meisterwerke grosser Männer auf Mit- und 1☚ D Nachwelt einen bestimmenden Einfluss haben, so ist 5 S dieser auf die schöpferische Kraft des Künstlers und auf die Erhabenheit der künstlerischen Ausführung ³☛ zurückzuführen. Als vollendetes Ganzes, als Kunst- werk, wirkt diese Schöpfung auf uns, und mit dankbarem Blick sehen wir zu den lichten Höhen auf, wo diese führenden Geister der Völker wandeln.— In die Werkstätte des künstlerischen Schaffens aber, auf das Ringen und Streben, auf die Kämpfe und Enttäu- schungen, denen solche erhabene Menschen unterworfen sind, blickt nur das Auge des Geistesverwandten, des treuen Freundes, des aufrichtigen Beraters und Mahners. Der Briefwechsel bedeu- tender Männer mit ihren vertrauten Freunden ist deshalb von hohem Werte für das Verständnis jener Meisterwerke und deren Schöpfer selbst. Frohe Schaffensfreudigkeit und mutloses Verzagen, ver- trauende Liebe und entrüstetes Aufwallen, häufige Versicherung ewiger Freundschaft und längeres kühles Schweigen eben diesem Freunde gegenüber treten uns in solchem Briefwechsel vor die Augen. In ihren Werken zeigen sich diese grossen Männer im Feiertagsgewande und sie versetzen uns in Feiertagsstimmung; ihre Briefe verraten oft das Werktagskleid, das zur Arbeit dient, die nicht immer ohne Splitter, ohne Verletzungen vor sich gehen kann. Dem vertrauten Freunde gegenüber wagt sich manches kräf- tige Wort über andere in die Feder, manche menschliche Schwäche, wie auch wir sie haben, wird uns dadurch kund. Doch diese Er- kenntnis schmälert nur in den seltensten Fällen das hohe Verdienst dieser Männer, deren Werke uns begeistern, deren Briefe aber uns ihnen menschlich näher bringen.
Zu den grossen Männern, die durch ihre erhabenen Werke auf ihre Zeitgenossen einen bedeutenden Einfluss gehabt haben, gehört unstreitig J. G. Herder. Sein ausserordentlich reichhal- tiger Briefwechsel lässt uns ganz besonders erkennen, wie befruch- tend die Tätigkeit und der Feuergeist dieses Mannes auf das Denken, Fühlen und Ringen seiner Zeit gewesen ist.
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