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lassen sollen. Wie mochte er sich nur in der Vorstellung gefallen, als sei die Seele ein Raum, in welchem die Ideen aufgeschichtet liegen, um gelegentlich in Bewegung gesetzt zu werden.
Hiermit wenden wir uns von diesem Beweise ab, indem wir nur noch bemerken, dass, wenn wir auch seine Grundlage, die Ideen, und die Art und Weise ihrer Erkenntniss fest- halten, wir höchstens genöthigt wären, die allgemeine Seele als immer vorhanden anzu- nehmen, nicht aber die Präexistenz der Einzelseelen.
Beweis aus Meno. 3 Besonderes Hülfsmittel: Eichhoff p. 6 et 7.
Auf die Lehre von der Wiedererinnerung hat Plato schon in einer früheren Schrift, dem Meno, einen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele gegründet. Wir schliessen ihn an den Phädonischen an und geben ihn zundchst in der Gestalt, in welcher Plato ihn dar- gelegt. Meno p. 80 C ilgd.
Es handelt sich dort darum, den Begriff der Tugend zu suchen. Meno wenqdet ein, dieses möge wohl unmöglich sein, da der Mensch weder suchen könne, was er wisse, noch auch, was er nicht wisse. Ersteres nicht, da er es ja wisse, letzteres nicht, da er dann ja nicht einmal wisse, was er suchen solle. Es war dies der Einwurf der Sophisten, dass man das Bekannte nicht lernen, das Unbekannte nicht suchen könne. Sokrates weiss einen Weg, aus diesem Dilemma herauszukommen. Wie, so dürfen wir seine Erörterung zusammenfassen, p. 81 A flgd., wie, wenn die Seele unsterblich wäre, wenn sie zum öftern geboren bereits Alles wüsste, Alles geschaut hätte, was auf Erden und im Hades ist, wenn jedes Unbekannte ein längst Bekanntes wäre, die Seele früher einmal gewusst und nur später wieder vergessen hätte, wenn Suchen und Lernen nichts anderes wäre als ein sich Wiedererinnern? Wäre es nicht unter dieser Annahme möglich, das Unbekannte zu suchen, darnach zu streben, das früher einmal Gewusste wieder zu seinem Bewusst- sein zu bringen?
Meno fragt darauf den Sokrates, ob er wirklich jene Annahme mache, ob er schlecht- hin behaupte, dass wir nicht lernen, sondern dass das, was wir Lernen nennen, nur Wie- dererinnerung sei?
Sokrates behauptet es und Meno bittet nun p. 81 E und 82 A um den näheren Er- weis dieses Satzes. Sokrates lässt hierauf den Sklaven des Meno herbeikommen und bringt ihn, dem geometrische Kenntnisse bisher völlig fremd waren, durch geschicktes Fragen zur Einsicht, dass die Diagonale jedes Quadrats die Seite eines doppelt so grossen sei. Demnach, so schliesst Sokrates p. 85 B am Ende des langen Examens, das er mit dem Sklaven abhält, demnach zeige die Erfahrung, dass der Sklave durch blosses Fragen zum Wissen geom. Wahrheiten gekommen sei, selbst aus sich selbst das Wissen hervor- holend. Folglich ist das Lernen Wiedererinnerung, Aufregung früher gewusster, ihm selbst unbewusst im Menschen ruhender Kenntnisse.
Aus der voranstehenden Erörterung leitet nun Plato die Unsterblichkeit der Seele her. Es ist aber die demnächst folgende Beweisführung aufs engste mit der voraufgehenden Erörterung verknüpft. Sokrates(Plato) hatte zwei Bedingungen gestellt, unter denen er


