Aufsatz 
Über Platons Beweise für die Unsterblichkeit der Seele / von A. Bölke
Entstehung
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wir in der Sinneswahrnehmung nicht vor uns haben. p. 73 C. D. Wie sehen etwa eine Leier, ein Kleid und nehmen zugleich das Bild des Lieblings in unserer Seele auf. der sie gebraucht; den Simmias sehen wir und geben ihm in unserer Vorstellung seinen Freund Kebes zur Seite. Dies geschieht durch eναάαμανυςα Wiedererinnerung. die besonders au- genfällig zu Tage tritt, wo wir Vorstellungen in uns erneuern, die wir durch die Länge der Zeit, weil wir sie zu überdenken versäumten, vergessen hatten. p. 73 D. E.

b) Das Bildniss des Simmias bringt sowohl das Original als seinen Freund Kebes in meine Vorstellung. Es gibt demnach Wiedererinnerung im Bereiche des Aehnlichen z. B. vom Bilde ans Original und des Unähnlichen z. B. vom Bilde des Simmias an das des Kebes.†ς⁴ νuoicν al dn dyouoio p. 73 E. 74 A.

3. Weckt die Wiedererinnerung eine ähnliche Vorstellung in unserer Seele, so stellen wir über den Grad der Aehnlichkeit einen Vergleich an zwischen beiden Vorstellungen, und werden uns inne, ob die erneuerte Vorstellung hinter der gegebenen zurückbleibt oder nicht p. 74 A. Was ist der Massstab dieses unwillkürlichen Vergleichs? Das Gleiche an sich, die Idee des Gleichen, die wir besitzen.

B. Den sub 1 3 dargelegten Begriff der Wiedererinnerung,(aus sich selbst Her- vorholen von Vorstellungen, Rückgreifen der Seele auf die bereits in ihrem Besitz sich befindlichen Ideen) wendet Plato im Folgenden auf das hernen an. Er fährt im Anschluss an 3 so zu argumentiren fort:

4. Wie kommen wir zu dem Bewusstsein dieser Idee? Wir erfassen sie bei Be- trachtung der gleichen Dinge, aber als ein d§reoov rourcv, als ein davon Unterschiedenes. p. 74 B; denn

a) die gleichen Dinge erscheinen der Betrachtung bald so, bald anders. Jene Idee duldet keinen Wechsel. p. 74 B. C.

b) Das Gleiche in den gleichen Dingen bleibt hinter der Idee des Gleichen stets zu- rück, wie sehr es auch strebe, sie zu erreichen. p. 74 D. E.

5. Da nun die Idee des Gleichen von den gleichen Dingen selbst verschieden ist, aber durch die gleichen Dinge in uns aufgeweckt wird. so liegt sie ausser und vor den Dingen selbst und bringen wir sie nur durch die Dinge wieder zu unserm Bewusstsein. Das geschieht durch Wiedererinnerung. p. 74 C. D.

6. Die Betrachtung der gleichen Dinge geht durch die Sinne vor sich und beginnt sofort mit der sinnlichen Wahrnehmung. Vor der sinnlichen Wahrnebmung müssen wir also die Kenntniss des Gleichen empfangen haben. Nun aber hatten wir sinnliche Wahr- nehmungen gleich von unserer Geburt an. p. 75 B. Also haben wir die Kenntniss des Gleichen vor unserer Geburt empfangen. p. 75 C. Was aber von der Idee des Gleichen gilt, lässt sich consequent von allen Ideen behaupten; wir erhalten sie vor der Geburt. p. 75 C. 7. Da wir sie nun aber nach der Geburt nicht wissen, vielmehr sie aus Anlass der sinnlichen Wahrnehmungen wiedergewinnen. so haben wir sie bei der Geburt vergessen und wecken sie bei den sinnlichen Wahrnehmungen durch Rückerinnerung an das vor- malige Wissen und Schauen wieder auf. Denn das ist ja Rückerinnerung, dass man et- was wahrnehmend sich dabei etwas anders vorstellt, was man vergessen hatte und was diesem nahe kam als ähnlich oder unähnlich. p. 76/A. 2u: 9

8. Eins von Zweien ist nothwendig der Fall. Entweder wir wissen die Ideen stets oder wir haben sie einmal gewusst, demnach vergessen und erinnern uns an das einmal