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Verlust, das Entschwinden einer Erinnerung heisst Vergessen; wenn die Seele vergessene Wahrnehmungen ohne die Sinne für sich allein zurüeckholt, so ist das Sichwiedererinnern, dναπρ&αιμυινοσοπðõεα Aber auch, fährt Plato den vorigen Gedanken erweiternd fort p. 34 B. wenn die, Seele, nachdem die wunun, sei es nun einer Wahrnehmung oder einer Kenntniss verloren gegungen war, sie diese durch sich selbst wiederholt d. h. durch sich selbst in das Bewusstsein zurückruft, auch das insgesammt nennen wir deνανννdei α μjucg d. h. Wiedererinnern und demgemäss ein neues Erinnern. Das Lernen ist insbesondere ein solches Zurückholen verloren gegangener Vorstellungen und Kenntnisse, ein Zurückholen aus dem vormenschlichen Wissen. Phædrus p. 249 C. Meno p. 85 C. Phædo p. 72 E.
Scheint Plato hiernach die ᷣνοσe in den weitesten Grenzen walten zu lassen, so werden wir doch wohl nicht fehlgehen, wenn wir. die Sache genauer betrachtet. als ihren Gegenstand recht eigentlich nur die allgemeinen Begriffe bezeichnen. deren Bild uns in den Einzeldingen sinnlich entgegentritt, die dνμιεειιαα ν ννπιι Meno p. 86 A. cfr. Phædo p.
99 E, nicht Einzelanschauungen, die wir in unserm frühern Leben gehabt haben. Worte
Zellers II. S. 342. Anm. 3. Eben desshalb. weil Plato den Ursprung der allgemeinen Begriffe nicht erklären konnte, nahm er die Lehre von der Wiedererinnerung zu Hülfe. Indess ist die spezielle Erörterung über den Umfang der ³να̈νννσσσ für die Entwicklung des nachfolgenden Beweises von Keinem wesentlichen Belange. Genug, gibt es drαᷣανν -¹*, so ist damit das vormenschliche Dasein der Seele zugestanden und von der Seite aus ihre Unsterblichkeit. Phædo p. 73 A: dασmσσσ ν rauνπν e(ſd ατν τν Ʒονεν 1) uen elα.
Nach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns zur Darstellung des zweiten Beweises selbst. Er beruht auf dem Satze: dass alles Lernen Wiedererinnerung sei. 1) ⁴ ϑρνισα dᷣuννισιςσ p. 72 E. Diese seine Ansieht vom Lernen begründet Plato auf doppelte Weise. I. auf empirische, II. auf rationelle.
ad I. Den empirischen Beweis legt Plato dem Simmias in den Mund. Er beruht auf folgender Thatsache: Wenn man die Menschen gut fragt. so wissen sie Alles; dies deutet auf eine in der Seele bereits liegende éntoriun, auf ihr einwohnende richtige Einsicht, welche durch Fragen und die Wiedererinnerung zum menschlichen Wissen wird. Dies tritt besonders da sichtlich hervor, wo man den Unwissenden zu geometrischen Figuren und dergleichen führt. p. 73 A und B.— cfr. der Beweis im Meno p. 80, wo Plato ei- nen Sklaven zu einer geom. Figur hinführt und in der That durch Fragen geom. Kennt- nisse aus ihm hervorlockt. die ihm bis dahin völlig fremd waren.
ad II. Die rationelle Bedründung des Satzes, dass zalouuenn, ud⁴‿εραι edeμυπQ᷑ρ⁹ig sortv, bringt Sokrates selbst vor. Sie kommt darauf hinaus, dass das begriffliche Wissen, worauf alles Lernen beruht, nur durch drααμννσιαι zu erklären sei, d. h. durch die Annahme, dass die Seele jene Begriffe aus sich selbst hervorholt; dieses aus sich selbst Hervorholen aber setzl Plato nothwendig die Annahme eines vormenschlichen Wissens voraus und ist demnach Bürgschaft für eine vormenschliche Existenz der Seele. Der Gedankengang des Beweises ist folgender: Zunächst
A. gibt Plato uns den Begriff der Wiedererinnerung 1—3.
1. àl rio ri dvaduenmσ ϑσ—πσάut, detvy uτον τντο 06&06„ ors sioσeσσασα ασιν p. 73 C. Wiedererinnerung setzt ein früheres Wissen voraus.
2. Wiedererinnerung wird geweckt durch sinnliche Wahrnehmungen.
a) Oft geschieht es, dass wir bei einer Sinneswahrnehmung uns 2ns vorstellen, das


