Aufsatz 
Über Platons Beweise für die Unsterblichkeit der Seele / von A. Bölke
Entstehung
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stände, dass sie im Wege der Zeugung zur Biidung neuer Individuen verwendet würde, dass in den Individuen selbst die schöpferische Fähigkeit läge, ihre Gattung fortzupflanzen. dass durch einen Act der schaffenden Gottheit neues Leben hervorträte. Indess Plato geht bei jenem Schlusse von der Voraussetzung aus, dass eine bestimmte Anzahl von Seelen existire, die sich nicht vermehre. Kehrten nun die Seelen der Verstorbenen nicht wieder ins Leben zurück, dienten sie nicht zur Belebung anderer Körper, so würde es freilich zuletzt sich ereignen, dass keine Seele mehr zur Belebung eines Körpers vorhanden wäre. cfr. Eichhoff p. 13. Schmidt com. crit. I. 13. Nicht bloss dieses, alles Leben in der Natur würde erlöschen, denn die Seele ist Plato Princip der Bewegung, mit der Idee des Lebens unzertrennlich verknüpft, jede einzelne Seele an sich, wie die Seele des Ganzen. Mit den Seelen erlöschte der Quell aller Bewegung, alles Lebens, und die ganze Natur wäre am Ende dem Tode verfallen.

Indess, was Plato glaubt durch die Annahme wechselseitiger Entstehung der Leben- den und Todten auseinander vermieden zu sehen, dass nämlich nicht Alles in den Zustand des Todes versinke, das eben muss bei seiner Annahme einer numerisch bestimmten Anzahl Seelen und bei seiner Ansicht von ihrem Loose im Jenseits durchaus eintreten. Denn indem er die Seelen der Vollkommenen Phaedo p. 114 C., sowie die der ganz Un- heilbaren J. c. p. 113 E. nicht in menschliche Körper zurückkehren lässt, müssen im Laufe der Jahre immer mehr Seelen im Jenseits festgehalten, muss die Zahl der beseelten In- dividuen immer kleiner werden, endlich gar verschwinden.

Was zuleizt den Anhang des Beweises betrifft: œ τπαά☚α υν Ʒ ρα ιε, dass es den Guten besser, den Bösen aber schlimmer ergeht, so ist es ein in der voraufgehenden Er- örteruug nicht begründeter Zusatz.

2. Beweis.

Anm. Besondere Hülfsmittel: Tennemann, Lehren u. s. w. Bucher, Gloël, Eich- hoff p. 13, 14. Schmidt p. 14, 15.

Den zweiten Beweis knüpft Plato unmittelbar an den ersten an, indem er den Kebes sagen lässt: Auch daraus, dass alles Lernen nur Wiedererinnerung ist, folgt, dass die Seele irgendwo war, bevor sie in das menschliche Dasein eintrat und von hieraus ihre Unsterblichkeit. Insofern der zweite Beweis unmittelbar aus der Erfahrung des Seelen- lebens selbst geschöpft ist, der erste auf Analogien des Naturlebens beruht, nimmt er eine höhere Stufe ein als der erste; der erste ist eigentlich nur Analogieschluss, der zweite Erfahrungsbeweis. Ueber das Verhältniss beider zu den übrigen Beweisen haben wir theils früher gesprochen, theils wird noch später davon die Rede sein.

Dieser zweite Beweis für die Unsterblichkeit der Seele stützt sich auf die Thatsache der Wiedererinnerung(drduvyoi). Was Plato unter»duvnoig versteht, lehrt er uns selbst im Verfolg des zweiten Beweises. Wir bemerken zur Beleuchtung des dort Vor- gebrachten vorab nur dieses: Phileb. p. 34 u. folg. unterscheidet Plato bestimmt die uenjuun von der ναeννσσς dis Erinnerung von der Wiedererinnerung oder, wie Schleiermacher übersetzt, das Gedachtniss von der Erinnerung. Er geht dabei p. 33 von dem Begriff der Wahrnehmung aioσemρσσα aus; uvijun ist ihm das Aufbehalten der Wahrnehmungen; ihr