Aufsatz 
Über Platons Beweise für die Unsterblichkeit der Seele / von A. Bölke
Entstehung
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Im Phädo ist es Plato darum zu thun, die aussermenschliche Existenz der vernünf- tigen Seele nachzuweisen, auf den unvernünftigen Theil der Seele nimmt Plato dort keine Rücksicht. Auch der Beweis im Meno beschäftigt sich nur mit der vernünftigen Seele. In der Republik ist es die Seele als der unvergängliche Theil des Menschen im Gegen- satze zu dem vergänglichen, dem Leibe, deren Unsterblichkeit Plato darthut. Auf eine Theilung der Seele geht der Beweis nicht ein. Aus dem Anhange p. 611 B scheint je- doch hervorzugehen, dass auch der unvernünftige Theil der Unsterblichkeit theilhaftig werde, insofern er zum vernünftigen in schönster Harmonie sich befinde, dass demnach die Seele der Guten mindestens in allen Theilen unsterblich sei. Im Phädrus ist es ent- schieden die dreitheilige Seele, deren Unsterblichkeit Plato nachweist; nur der Leib fällt hier der Sterblichkeit anheim. Im Timäus endlich treten die niedern Theile der Seele erst mit dem Leibe zu der unsterblichen Seele hinzu; sie haben im Körper ihre Entstehung. Das Unsterbliche ist nur der vernünftige Theil der menschlichen Seele.

Die Darstellung des Timäus, wornach erst bei der Einpflanzung der Seele in den Körper der unvernünftige, sterbliche Theil der Seele, der dνυς und die entuuiæ, zu dem vernünftigen, unsterblichen Theile hinzutritt, ist Platons eigentliche Meinung.

:15 III. Zur Litteratur.

Neben den bekannten Textausgaben, Commentaren und Uebersetzungen Platons nen- nen wir folgende Schriften allgemeineren Inhalts, die bei vorliegender Arbeit benutzt sind. Arnold. Platons Werke einzeln erklärt. 3. Theil: System der Platon. Phil. Brandis. Geschichte der griech.-röm. Phil. II, 1. Abth. Hermann, K. F., Gesch. und System

der Plat. Phil. 1. Theil. Ueberweg, I. alte Phil. Zeller, Phil. der Griechen.

Von den besondern Schriften und Abhandlungen, die uns zu Gebote standen, nennen wir: Bucher, Platons spekul. Beweise für die Unst. der Seele. diss. inaug. Göttingen 1861. Eichhoff, Progr. von Duisburg, 1854. Gloél. Progr. von Magdeburg, 1863. Men- delssohn, Phädon. Rettig, über Platons Phädo. Bern 1846. Schmidt, Progr. von Wittenberg, 1854. Steinhart, Vorreden zu Platons Schriften(in der Uebersetzung von Müller). Susemihl, Philolog. 1850. S. 385 flgd. XV. Suppl. II. Tennemann, Lehren und Meinungen der Sokratiker über Unst. Wyttenbach, præf. ad Phædo- nem. Was wir aus andern Schriften entnommen, haben wir an seiner Stelle an- gezeigt.

Aus der Abhandlung der Promotionsschrift entlehnen wir folgende Sätze:

1. Platons einzelne Beweise für die Unsterblichkeit der Seele sind wie Ausläufer eines Gebirges zu betrachten, die sich in einen Knotenpunct vereinigen. Der Knoten- punct der Beweise liegt im Phädo.

2. Im Phädo geht neben den Beweisen für die Unsterblichkeit der Seele eine drei- fache Reihe ethischer Betrachtungen her,(cfr. Steinhart, Vorrede zum Phäado) über deren Verhältniss zu den Beweisen selbst die Gelehrten sehr getheilter Meinung sind.

3. Aus der Untersuchung über die 1. eth. Betrachtung entnehmen wir die Defnition des Todes. Der Tod ist Trennung der Seele vom Leibe, das Todtsein das Getrenntsein beider, der Zustand der Einzelexistenz, das Fürsichsein der einst Verbundenen.