pereitenden Unterricht Herbarts, welcher sich auf biblische Geschichte und die teleo- logische Betrachtung von Natur und Menschenleben stützte, schliesst sich ein Unter- richt an, welcher das Eigentümliche der Confession betrifft. Dieser Unterricht wird umsomehr in den Vordergrund treten, da nach Herbarts Meinung der Religionsunter- richt sein Ende oder wenigstens seinen Gipfel in der Confirmation finden soll. Da es sich um Erkenntnis Gottes handelt, so wird besonderes Interesse sich der Mitwirkung zuwenden, welche Gott für unsere Seligkeit in Aussicht gestellt hat. Kants Anschauungen ningegen gipfeln in dem Satze:„Es ist nicht wesentlich, und also nicht Jeder- mann notwendig. zu wissen, was Gott zu seiner Seligkeit thun, oder gethan habe, aber wohl, was er selbst zu thun habe, um dieses Beistandes würdig zu werden.“*)
Die Frage, ob der Unterricht mit demjenigen beginnen soll, was Gott für uns thut oder gethan hat, oder mit demjenigen, was wir thun sollen, um seines Beistandes würdig zu werden, wird von Kant auch noch an anderer Stelle des im Vorhergehenden angeführten Werkes entschieden.„Aber fürs Praktische, wo nämlich nicht gefragt wird, was physisch, sondern was moralisch für den Gebrauch unserer Willkür das Erste sei, wovon wir nämlich den Anfang machen sollen, ob vom Glauben an das, was Gott unsert- wegen gethan hat, oder von dem, was wir thun sollen, um dessen(es mag auch be- stehen, worin es wolle) würdig zu werden, ist kein Bedenken für das Letztere zu entscheiden.“**) Gott soll nicht erkannt werden nach dem, was er an sich, sondern was er für uns als moralische Wesen ist.„Wiewohl wir zum Behuf dieser Beziehung die göttliche Naturbeschaffenheit so denken und annehmen müssen, als es zu diesem Verhältnisse in der ganzen zur Ausführung seines Willens erforderlichen Vollkommen- heit nötig ist(z. B. als eines unveränderlichen, allwissenden, allmächtigen etc. Wesens) und ohne diese Beziehung nichts an ihm erkennen können.“**) Der realistische Zug der kritischen Philosophie macht sich auch in Kants religionsphilosophischen Betrach- tungen geltend. Seine Erfahrungslehre beantwortete die Frage nach der Möglichkeit von Mathematik und reiner Naturwissenschaft, setzte die genannten Wissenschaften als Thatsachen voraus, er knüpfte also in seinen Betrachtungen an ein Gegebenes an. Die zweite Aufgabe nach der Möglichkeit einer Ethik wurde gelöst, indem er sich stützte auf die Wirklichkeit sittlicher Urteile, von der Ansicht ausgehend, dass eine Begründung der Ethik nur für denjenigen möglich sei, der mit ihm in der Anerkennung dieser Thatsachen übereinstimme. Die in einer systematischen Ethik begründete Moral dient ihm nun als Mittel zur Erkenntnis Gottes. Dieser wissenschaftlichen Ueberzeugung von der Begründung der Theologie in der Moral entsprechen Kants pädagogische An- schauungen.„Zuerst muss man bei dem Kinde von dem Gesetze, das es in sich hat, anfangen. Der Mensch ist sich selbst verachtungswürdig, wenn er lasterhaft ist. Dieses ist in ihm selbst gegründet, und er ist es nicht deshalb erst, weil Gott das Böse verboten hat.“+†)„Man muss aber nicht von der Theologie anfangen. Die Religion, die blos auf Theologie gebaut ist, kann niemals etwas Moralisches enthalten. Man wird bei ihr nur Furcht auf der einen, und lohnsüchtige Absichten und Ge- sinnungen auf der andern Seite haben und dies giebt dann blos einen abergläubischen Oultus ab. Moralität muss also vorangehen, die Theologie ihr dann folgen, und das heisst Religion.“„Die wahre Gottesverehrung besteht darin, dass man nach Gottes Willen handelt, und dies muss man den Kindern beibringen.“- †) Der Begriff von Gott
*) Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft, Hartenstein, 146. **) Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft, 216. r) Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft. 239. †) Kant über Pädagogik, Ausg. v. Hartenst., 508. †) Kant über Pädagogik, Ausg. v. Hartenst., 509.. 4


