Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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und Flößen je nach dem Wert.) Auch Mainz dachte daran, an der Lahn Zoll zu erheben, und es wurde der Regierung als ein geeigneter Platz das Wehr des Hüttenwerks in Ahl bezeichnet, weil dort der Paß ſo eng ſei, daß ſich die Schiffe nicht auf die trieriſche Seite ſchlagen könnten; ²) doch ſtand man von dem Plane wieder ab.

Die im Vergleich zur heutigen Zeit durchaus nicht geringen Steuern beſtanden hauptſächlich in Naturallieferungen.

Die einzige alljährlich wiederkehrende Geldſteuer war die Beed, (Bitte) die mit der Zeit aus einer urſprünglich freiwilligen zu einer ſtändigen Abgabe geworden war. Sie wurde im Mai geſammelt und betrug nur 4 Gld., 6 Alb., wovon die Grafen von Naſſau 3 Gld., der Kurfürſt den Reſt erhielt. Auf dieſelbe Weiſe war die Weinbeed ſtändig geworden; ſie brachte dem Kurfürſten jährlich ein Fuder, 3 Ohm, 13 Viertel?) und 20 Malter Korn von den in Ackerland verwandelten Weinbergen; die Grafen von Naſſau aber erhielten 6 Fuder Beedwein. Früher war auch noch ziemlich regelmäßig eine Türkenſteuer erhoben worden, die aber bei den fortwährenden Kriegsnöten im eigenen Lande aufhörte. Dafür trafen die außerordentlichen Schatzungen, die vom Landesherrn je nach Bedürfnis auferlegt wurden, die Gemeinde um ſo härter. Die beiden Schatzheber mußten die 5 Kopfſtücke, die ſie für ihre Mühe erhielten, ſauer verdienen, und öfter leſen wir:Die Gelder ſind wegen Armut anjetzo ſchwer zu bekommen.

Die bei weitem ſchwerſte Auflage für den Bürger war aber der Wein⸗ und Frucht⸗Zehnte. Der Kurfürſt bekam davon nur den kleinſten Teil, an Wein durchſchnittlich 4 Fuder. Alles Übrige gehörte ſeit vielen Jahrhunderten den Grafen von Naſſau, die ihrerſeits wieder den dritten Teil dem Pfarrer abzugeben hatten. Zur Zeit der Weinleſe ſtanden die Wagen des naſſauiſchen Vogtes und des Saalkellners am Fuße der Weinberge, und die Zehntknechte brachten den der Herrſchaft gehörigen Anteil dorthin. Ebenſo geſchah es bei der Ernte. Waren die Zehntknechte nicht zugegen, ſo ließ man den Zehnten auf dem Felde liegen und nicht immer ſehr gewiſſenhaft, wie häufig geklagt wird. Auch wollten die Bürger von ihren Feldern nach altem Herkommen nicht die zehnte, ſondern die elfte Garbe geben und wurden hierbei von dem Zollſchreiber gegen

¹) Zollſachen(Wiesb. St). ²) Schriftſtück im Beſitze des Herrn Schickel, Oberl. ³) 1 Fuder à 4 ½ Ohm-

1 Ohm à 15 Viertel.