Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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Ein Jahrzehnt lebten die beiden Zünfte neben einander, dann 2

brachte das neue Jahrhundert eine weitere Veränderung, die wir der nächſten Arbeit vorbehalten. ¹)

Zoll. Was der Stadt immer noch eine beſondere Wichtigkeit verlieh, war der Charakter als kurfürſtliche Zollſtadt. Das kriegsreiche 17. Jahrhundert hatte freilich die Einnahmen des Zolles gewaltig ver⸗ ringert. In den Jahren 1680 92 wurden an Rheinzoll 103 266 Gld. eingenommen, im Durchſchnitt jährlich 8 605 Gld. Wie ſehr die Kriegs⸗ jahre in die Wagſchale fielen, zeigt ein Vergleich zwiſchen 1684 und den unruhigen Zeiten 1688/89. Im erſteren Jahre betrug die Einnahme 17 972 Gld.; im Jahre 88 3725 und im Jahre 89 3538 Gld. ²) Von dieſem Gelde erhielt das Domkapitel als Penſion jährlich 2400 Rchsthlr., dann bekam der Kurfürſt von der Pfalz einen Turnoſen, nämlich von je 1000 Gld. Einnahme 26 Gld. 6 Alb. Eine Anzahl von Fürſten und Grafen, die nach alten Verträgen Anteil am Zoll hatten, waren nach und nach entſchädigt worden, währendunterſchiedliche Freiherren, Adelige und Geiſtliche, die auch Penſionen vom Zoll zu erhalten hatten, bei den ſchlechten Zeiten nichts bekamen.

Neben dem Waſſerzoll wurde auch ein Landzoll erhoben, deſſen Einnahmen aber in der Saalkellerei verrechnet wurden. Wer damals von dem darmſtädtiſchen Braubach an dem mainziſchen Oberlahnſtein in das trieriſche Niederlahnſtein fahren wollte, zahlte in Braubach von jedem Pferd 3, in Oberlahnſtein 6, dann das Fährgeld an der Ponte und in Niederlahnſtein wieder 6 Kreuzer. Oft dachte man daran, ſtatt auf die Pferde, den Zoll auf die Waren zu legen, ſtand aber immer wieder davon ab, weil der Zollſchreiber erklärte, daß bei einer Erhöhung des Zolles die Fuhrleute einen Weg über die Berge ſuchen würden.

An der Lahn wurde ſeit 1610 von Trier ein Zoll erhoben und zwar vom Faß Wein ein Maß oder der Geldwert, vom Malter Korn 2 Pfennige, vom ledigen neuen Faß 1 Alb. und von andern Gütern

¹) Zunftſachen(W. St)

²) Dabei waren eine Reihe von Orten und Perſonen vom Zolle befreit. So kam alljährlich beim Bürgermeiſterwechſel von Coblenz eine Deputation nach Oberlahnſtein, um beim Zollſchreiber die Befreiung vom Rheinzoll für das Coblenzer Marktſchiff nachzuſuchen. Sie erhielteu dieſelbe und zugleich einen Weintrunk aus guter Nachbarſchaft.(Wegeler, Coblenz S. 112). Ebenſo war nach Reichsgeſetz alles zollfrei, was zum Hofhalt eines Reichsfürſten gebraucht wurde.