Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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und 2 Wagner. Sie wandten ſich an den Kurfürſten und klagten, daß das Handwerk ſehr darniederliege, beſonders weil ein hier ausgebildeter Lehrling keinen Lehrbrief erhalte und dort, wo das Handwerk zünftig ſei, von neuem anfangen und einen ſolchen erwerben müſſe. Darum wünſchten ſie, da jedes Handwerk allein zu ſchwach ſei, eine gemeinſame Zunftordnung. Der Amtmann Freiherr von Baſſenheim unterſtützte ihr Begehr und ebenſo der Zollſchreiber Albrecht von Lauterburg. Unter mancherlei Verhandlungen gingen zwei Jahre hin, dann erhielten ſie die Ordnung am 1. Juli 1659. Sie umfaßt 45 Artikel und enthält ſowohl allgemeine Vorſchriften über die Annahme von Lehrlingen und Knechten, Brudermeſſen und dergleichen, als auch beſondere für jedes einzelne Handwerk. Bezeichnend für die bereits eingetretene Periode der Eng⸗ herzigkeit iſt der Artikel 4, wonach kein Meiſter mehr als einen Lehr⸗ jungen und einen Geſellen halten durfte. Andererſeits war die Zulaſſung zum Handwerk mit nicht geringen Unkoſten verknüpft. Wer ſich als Lehrling vor der verſammelten Zunft einſchreiben ließ, hatte derſelben einen Imbiß und Ehrentrunk zu geben, der Lade 1 Goldgld., dem Schreiber 6 Alb. zu entrichten. Ebenſoviel koſtete die Losſprechung, und der Lehrbrief noch beſonders 2 Rchsthlr. Die neue Zunftordnung erwies ſich als heilſam. Die Zahl der Handwerker wuchs, und auch einige Auswärtige traten der Zunft bei. Mehr als 30 Jahre hielten ſie in Eintracht zuſammen, dann ſchlich ſich allmählich bei der größeren Zahl der Unfriede ein. Im Jahre 1696 beſchloſſen die Schmiede, Schloſſer, Wagner, Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Bender und Leyendecker, ſich von den übrigen zu trennen und eine eigene Zunft zu bilden. Sie richteten ein Schreiben an die Mainzer Regierung, das in der Stiliſirung nichts zu wünſchen läßt und die volltönende Anrede bietet:

Hochwürdige, hochwohl⸗ auch hochedelgeborene, hoch⸗ und wohledle, geſtrenge und hochgelährte, gnädig, großgünſtig, hochgeehrteſte Herren! Darin ſchilderten ſie, wie wegen der Verſchiedenheit der Intereſſen bei den gemeinſamen Zuſammenkünften ſtets Mißverſtändniſſe und Streit entſtänden. Deshalb wünſchten ſie für ſich eine beſondere Ordnung, was ſich um ſo eher machen ließe, da die Bäcker, Metzger, Schneider und Schuhmacher zuſammen noch 30 Mitglieder aufwieſen.

Die übrigen Zunftgenoſſenſchaften, denen auf ihren Wunſch das eingereichte Schriftſtück überſandt wurde, waren von der Bildung einer neuen Zunft wenig erbaut. Nach ihrem Berichte herrſchte bis 1692 ſtets Friede, dann kamen einige Schreier und Widerſpenſtige, die in