Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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fällen bin ich und der Kaplan allein. Er zählt in ſeinem Berichte die ſtändigen jährlichen Einkünfte alſo auf: Die Grafen von Naſſau ſollen geben 8 Ohm Wein, liefern aber nur 4; an eigenem Wein durchſchnittlich 10 Ohm; an Früchten 1012 Mltr. Korn, dazu vom Kurfürſten 5 Mltr. Korn und 1 ½ Mltr. Hafer.

An Geldgefällen 20 Gld., vom Hospital wegen der Freitagsmeſſe 20 Gld. 4 Krz.; die Herren Zollbeamten geben wegen einer Meſſe in der Liebfrauenkapelle 12 Gld.; der Kurfürſt wegen der Schloßkapelle 64 Gld.¹) Dafür muß er dem Kaplan die Koſt und 45 Gld. geben und hat die Chorſänger, 10 12 Perſonen, jährlich dreimal zu gaſtieren.

Im Jahre 1689 ſtarb Pfarrer Junk. Als nun ſeine Erben mit dem Schultheißen Eberts im Pfarrhauſe ſaßen, um ſich wegen der Hinterlaſſenſchaft zu vergleichen,und ſich ziemlich bezecht, brach plötzlich nächtlicher Weile Feuer aus, und das Pfarrhaus, Stallung, Scheune und Kelterhaus brannten vollſtändig nieder. Allgemein glaubte man, daß die Haushälterin des Pfarrers das Feuer vorſätzlich angelegt habe, weil die Erben ihr nicht ihren Lohn und 100 Thlr., die ſie ihrem Herrn vorgeſtreckt hatte, herausgeben wollten. Der neue Pfarrer Limpert mußte zur Miete wohnen, und da die Naſſauer Grafen wegen des Neubaues mit der Gemeinde in Streit gerieten, ſo wurde ſchließlich von dem Zollſchreiber auf Befehl des Kurfürſten jenen der Zehnte eingehalten und das neue Pfarrhaus zwangsweiſe erbaut. Fertig wurde es erſt um 1715. Der traurige Brand hatte aber doch auch einige fröhliche Geſichter gemacht, nämlich die der Schuljugend, denn das Schnlhaus war ebenfalls abgebrannt, und es dauerte einige Zeit, ehe bei den Kriegsunruhen die arme Gemeinde den Neubau ausführen konnte. Die jeweiligen Lehrer waren auch nicht auf Roſen gebettet, und erſt eine Reihe von Neben⸗ beſchäftigungen brachte ihnen genügenden Unterhalt. So klagt Pfarrer Limpert 1696, daß der Schulmeiſter zugleich Glöckner, Organiſt und Gerichtſchreiber ſein müſſe zum Schaden der Schule und der Jugend. Der damalige Lehrer, Kaspar Vogt, hatte aber Glück; er wurde bald darauf kaiſerlicher Notar. Unmittelbar nach dem Brande des Schul⸗ hauſes ſcheint der Kaplan Severus Knopf den Schuldienſt mit übernommen zu haben, denn er ſagt 1692 denſelben auf, und an ſeine Stelle wird Mathias Klein aus Wetzlar gewählt. Im Jahre vorher war das

¹) Es waren die Einkünfte des früheren Ulrichsaltars auf Lahneck; die für dieſen geſtiſtete Meſſe wurde ſeit 1640 am Bartholomäusaltar in der Schloßkapelle geleſen. Akten der Ulrichsk.(W. St.)