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Der Huldigung folgte jedesmal ein fröhliches Gelage, das der Gemeinde im Jahre 1673 40 Thlr. für Wein koſtete, während die kur⸗ fürſtlichen Beamten ſich 53 Thlr. vom Zollſchreiber vorſchießen ließen. Oberſte Inſtanz nach dem Kurfürſten iſt der Amtmann, Freiherr Walpot von Baſſenheim. Er iſt nur ſelten in der Stadt und tritt mehr und mehr zurück gegen den Zollſchreiber, der zugleich den Titel Amtsverwalter führte. Beſonders geſchah dies, als von 1684 ab der Kammerrat Joh. Ehrhard Löhr dieſes Amt bekleidete. ¹)
Die ſtädtiſchen Angelegenheiten wurden von Rat und Schöffen gemeinſam verwaltet; an der Spitze derſelben ſtand der Schultheiß. ²) Das Schöffenamt war lebenslänglich und konnte ſeinem Inhaber nur wegen ungehörigen Lebenswandels entzogen werden. Einmal im Jahre 1667 wird Joh. Rieſch abgewieſen wegen„befundenen Ausſatzes“. Starb ein Schöffe, ſo präſentierte das Kollegium 3 Perſonen, von denen die Regierung die paſſende auswählte. Der neue Schöffe leiſtete den vorgeſchriebenen Eid und maß nach altem Herkommen die kurfürſtlichen Weinberge und Acker mit dem Schöffenſeil. Im Rathauſe ſowohl wie in der Kirche, wo die Schöffen ihre beſonderen Stühle hatten, mußten ſie jederzeit in ihren Mänteln erſcheinen. Am Neujahrstage früh morgens erſchienen die 14 Schöffen und die 6 Ratsherren im großen Saale des Rathauſes und empfingen jeder 5 Albus zum neuen Jahr und zum Gedenken, daß ſie jederzeit auf Erfordern in gemeiner und herrſchaftlicher Gelegenheit ſich auf dem Rathauſe einfinden und ſolche anhörend ſich vortragen laſſen. Für ihre Mühe und Arbeit das ganze Jahr hindurch ſollte ein Tag den Schöffen fröhliche Entſchädigung bringen, das war der geſchworene Montag, an dem die Grafen von Naſſau als Zehnt⸗ herren das ſogenannte Schöffeneſſen zu geben hatten. Das Mahl begann früh morgens und endete mit dem Abendläuten, worauf häufig noch Spiel und Tanz folgte. Die vorgeſchriebenen Speiſen, die noch aus der Blütezeit des Bürgertums geblieben, machen dem Geſchmack unſerer Vorfahren alle Ehre. Der Küchenzettel lautet nämlich alſo:„Erſtlich den Tiſch decken, darauf zu legen Friſchweck und ein Trank in ſilberner
¹) Seine Familie war eine der einflußreichſten im Kurfürſtentum und wird noch im folgenden Jahrhundert als allmächtig in Mainz bezeichnet. Er war Schwiegerſohn des früheren Zollſchreibers Werner Vogt, ſein Sohn war Hofrat in Mainz, nnd ſein Schwiegerſohn folgte ihm als Zollſchreiber in Lahnſtein.
²) Dieſer galt als kurfürſtlicher Beamter und wurde von der kurfürſtlichen Kellerei bezahlt. Meiſtens iſt er zugleich der zweite Zollbeamte.


