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Die nähere Umgebung unſerer Stadt bot in jener Zeit ein in mancher Beziehung anderes Bild. Obgleich bereits 1573 unter Erzbiſchof Daniel ein großer Teil der an ſumpfigen Stellen gelegenen Weingärten in Äcker verwandelt worden war, ſo wuchs doch noch Wein an den meiſten Stellen unſerer Gemarkung, wo heute ſich Acker und Wieſen ausdehnen. Mitten durch die Weingärten hindurch ging die Reichs⸗ oder Hochſtraße von Braubach aus öſtlich an unſerer Stadt vorbei nach der Lahn zu. Nicht weit von der Lahn zweigte ſich eine Straße ab, die durch die Niederpforte in die Stadt führte. An der Lahn lagen Kähne und eine Ponte, die den beiden Fergen von Ober⸗ und Niederlahnſtein gemeinſam gehörten; ¹) die Reichsſtraße war in den ſechsziger Jahren recht belebt, denn Aachener, Lütticher und Brabanter Kaufleute führten damals ihre Waren zu Lande hier vorbei und gingen bei Coblenz über die Rheinbrücke. Der hieſige Landzoll warf infolgedeſſen eine erkleckliche Summe ab. Während der Lahnferge jährlich 12 Thlr. Pacht bezahlte, erhielt der Rheinferge jährlich eine halbe Ohm Wein. Nicht weit von der Stadt am Rheine, dem Rhenſer Thor gegenüber, wird einmal ein Siechenhaus erwähnt, über das ſich ſonſt keine Notizen finden.
Um die genannte Zeit begann in dem entferntern Gebiete unſerer Stadt eine wichtige Veränderung. Eben atmete man auf von den ſchweren Leiden des dreißigjährigen Krieges, da begann auch die Unter⸗ nehmungsluſt ſich überall von neuem zu regen. Etwa um 1665 war ein Bergmeiſter hier und ließ an verſchiedenen Stellen des Stadtwaldes Grabungen vornehmen auf Erze, ſtand aber dann wieder von dem Unter⸗ nehmen ab. Um dieſelbe Zeit legte ein Fremder im Diſtrikt Tiefenthal eine Schiefergrube an, trat aber bald gleichfalls von ſeinem Vertrage mit der Gemeinde zurück, weil die Steine zu dick fielen und ſich nicht ſpalten laſſen wollten. Von großer Wichtigkeit aber wurde die Eiſenhütte, die ein Welſcher, Jean Mariot, auf Ahl einrichtete. Die Verhandlungen mit dem jeweiligen Hüttenbeſitzer ſpielen fortan im Gerichtsbuche eine große Rolle.
In den folgenden Kriegszeiten muß der Hüttenmeiſter öfter der Gemeinde mit Vorſchüſſen unter die Arme greifen, und der größte Poſten in der Gemeinderechnung iſt der Erlös für das an die Hütte gelieferte Kohlenholz. Bereits im Jahre 1665 verkaufte die Stadt an dieſelbe für 800 Rchsthlr. Der Betrieb der Eiſenhütte hatte aber noch eine andere wichtige Einrichtung zur Folge. Als durch das Abhauen des vielen
¹) Dort war auch in dieſer Periode das Fergenhaus erbaut worden.


