Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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Zehnten genommen. Dafür nahmen die Lahnſteiner 100 Bürden Weiden weg und verſchonten auch ein Braubacher Kohlfeld nicht.Sie haben, ſchreibt der dortige Amtsverweſer, den armen Leuten viel hundert Häupter Kraut in Stücken gehauen und ihr Mütlein durſtiglich daran gekühlt, quaſi ſei es eine ausgekünſtelt kluge That, ſo der Poſterität zu hinter⸗ laſſen. 1698 ſollte die Sache nun klug angefangen werden. Der pfiffige Schöffe Joh. Jungmann ging mit einer Frau einige Zeit vor der Leſe hin, und während dieſe ſich ſtellte, als ob ſie Laub abſtreife, nahm ſie ſtill den Zehnten von dem angegebenen Weinberg. Beide kamen mit den Trauben fröhlich nach Lahnſtein. Aber bald zeigte es ſich, daß der erfahrene Jungmann der Frau einen falſchen Weinberg gezeigt hatte, der einer Braubacher Witwe gehörte, und nun nahmen dieſe dem Schwager des Zollſchreibers, der in Braubach begütert war, eine Ohm Wein weg. Im folgenden Jahre hatten die Braubacher wieder zeitig nachts 3 Wächter an den Weinberg geſetzt. Lahnſteiner Feldſchützen und Bürger gingen hin, fanden zwei im holden Traume und nahmen ſie mit nach Lahnſtein. Der dritte ſchlug Lärm; bald kamen die Braubacher, ergriffen noch bei der Nacht einige Feldſchützen vor dem Thore und brachten ſie nach Braubach. Im Dezember berichtete der Amtmann nach Mainz, daß die Braubacher gedroht hätten, wenn man ihnen am Zoll werde Plackereien machen, ſo ſollten die Lahnſteiner vor ihrem Thore nicht mehr ſicher ſein, und der Zollſchreiber ſchlug vor, den betreffenden Weinberg auszuhauen und die Jeſuiten dafür anderweitig zu entſchädigen.

Unter dieſen Umſtänden kam die Mainzer Regierung am 12. Jan. 1700 zu dem vernünftigen Beſchluſſe, die Eintreibung des Zehnten, der ſolche Weitläufigkeiten gar nicht meritiere, einſtweilen bis zum Austrag der Sache zu unterlaſſen. Erſt in der folgenden Periode kam der mehr als hundertjährige Streit zur Ruhe.¹)

¹) Irrungen zwiſchen Mainz und Heſſen⸗Darmſtadt. Wiesb. Staatsarch.