dunkel“ geworden, und er weigerte ſich nun entſchieden mitzugehen, weil er nicht vorhätte, von den Braubachern eingeſteckt zu werden. Erſt als er langſam nüchtern geworden war, ließ er ſich doch bereit finden. Sein Schriftſtück war natürlich für Lahnſtein günſtig. Inzwiſchen hatten die Lahnſteiner ſich Landſcheider von Montabaur und Vallendar ausgeſucht, aber der Amtskeller von Braubach wies dieſe zurück, weil die Gemeinde mit beiden Orten wegen der Prozeſſionen in Streit lag. Als die Montabaurer auf dem ſtrittigen Stück die Fahne aufrollen und ſingen wollten, arretierten die Braubacher den Geiſtlichen, und bei gleichem Anlaſſe hatten ſie die Vallendarer bis an die Grenze zurückgetrieben. Endlich einigte man ſich über die Landſcheider, und im Anfang des Auguſt langten die Deputierten in Braubach und Lahnſtein an. Hier waren die geheimen Hofräte und Hoſfgerichtspräſidenten von Ridder, Berninger und von Raigersberg, in Braubach Dr. Krebs und Paſter. Auf den Wetzlarer Wieſen wurde für die vornehmen Herren ein Häuschen errichtet und die Landſchieder, darunter 3 Ackergerichtsgeſchworene aus Frankfurt, vereidigt. Sie erklärten die von den Braubachern als Grenz⸗ ſtein angeſehenen Steine auf den Wetzlarer Wieſen für Erben⸗ oder Güterſteine.
Eben war die Kommiſſion fort, ſo ging man hier wieder daran, den Streit praktiſch zu entſcheiden. Am 11. Oktober war ein Braubacher Bürger in Lahnſtein. Wie er ſich nun bei der Wachtſtube an der Oberpforte zu thun machte, hörte er, wie Bürger und Soldaten ſich erzählten, daß man morgen den Zehnten von einem Weinberg am Kop⸗ pelſtein holen,„und wenn Weigerung geſchehe, die Braubacher mit ſtatt⸗ lichen Schlägen empfangen wolle, zumal man jetzt Soldaten hätte“. Am andern Morgen ging denn auch der Bürgermeiſter, ein Zehutſchreiber und 3 Zehntknechte von einem Korporal und 4 Musketieren begleitet, an den betreffenden Ort. Da ſtand aber ſchon der Schultheiß von Braubach, bewaffnete Bürger und eine Anzahl Soldaten kampfbereit. Wie nun der Schultheiß und der Bürgermeiſter einander in die Haare gerieten, rief der letztere in ſeiner Not:„Soldaten heraus“, und es entwickelte ſich eine ſtattliche Schlägerei, aus der die Lahnſteiner arg zerſchunden und ohne den Zehnten heimkehrten. Dafür ſpannte man einen Braubacher Ochſen auf der Straße aus, von deſſen Erlös der Stadtchirurgius bezahlt wurde, der die Wunden geflickt hatte. Im folgenden Jahre hatten die Braubache mit Ausſchuß und Soldaten an 500 Mann aufgeboten, den ſtrittigen Weinberg vor der Leſe Tag und Nacht umſtellt und dann den


