Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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Umgangs gemacht zwiſchen 8 und 12 Uhr morgens. Die ganze Bürger⸗ ſchaft zog bewaffnet hinaus, und 25 Mann der Beſatzung ſtanden zum Schutze am Rhein. Da den Braubachern erſt um 6 Uhr morgens Nach⸗ richt gegeben war, ſo ging alles ruhig von ſtatten. Am Rhein erwartete die Teilnehmer ein Schiff, das ſie beſtiegen und bis in die Mitte des Fluſſes und dann nach Lahnſtein fuhren. Als man gerade wieder zum Stadtthore einziehen wollte, kam der Forſtmeiſter von Braubach nach⸗ geritten, um im Namen des Fürſtes zu proteſtieren, und wenige Stunden ſpäter brachte abermals der Forſtmeiſter und Hauptmann Henſel eine Beſchwerdeſchrift.

Nun ſollte aber die Sache bald entſchieden werden. Die Re⸗ gierungen von Mainz und Darmſtadt entſchloſſen ſich, Räte an den ſtrittigen Ort zu ſchicken, die den Streit endgültig regeln ſollten. Am 20. April kamen die geheimen Räte Dr. Brahm und Dr. Großhans hier an, Darmſtadt entſandte den Amtmann Joh. Schütz von Holzhauſen und den Licentiaten der Rechte Martin Drachen. Man beging die fraglichen Stellen, verhandelte mit einander und kam endlich in Rhens, als einem unbeteiligten Orte, zuſammen, wo dann ein 27 Seiten langes Schriftſtück verfaßt wurde, das die Sache aber nicht entſchied. Da verſuchten denn die Gemeinden ſelbſtändig den Austrag. Sie fielen mit bewaffneten Bürgern und Soldaten in das umſtrittene Gebiet am Rhein, ſchnitten die Weiden ab und ſchonten auch die nichtſtreitigen Acker des Nachbarn nicht, und recht beweglich klagt der Zollſchreiber in Mainz, daß die hieſige Beſatzung zu ſchwach ſei, während die Braubacher ihre Garniſon ver⸗ doppelten. Endlich einigte man ſich auf ein Schiedsgericht. Richter ſollten ſein der Kurfürſt von Trier und Eberhard von Würtemberg, Obmann der Herzog von Pfalz⸗Neuburg. Deputierte behandelten in Frankfurt die Angelegenheit und entſchieden, daß zunächſt geſchworene Steinſetzer die Grenzſteine heben und nach den Merkzeichen in der Erde erkennen ſollten, welches die richtigen Steine ſeien..) Wieder war Dr. Großhans hier und in Braubach der Kammerrat Wannenmacher im März und April 1659. Das Zeugnis der Steinſetzer, das wieder in Rhens verfaßt wurde, ſtimmte nicht überein; zudem beſchuldigte man ſich auf beiden Seiten der Beeinfluſſung derſelben. So ſchrieb Landgraf Georg am 13. Juni an den Kurfürſten:Die Landſchieder widerſprechen ſich; es muß alles redreſſiert

¹) Neben die Grenzſteine wurden wie in der Römerzeit kleine Steine und andere Dinge in die Erde gelegt, die als Geheimniſſe, Zeugen oder Enkelin be⸗ zeichnet werden.