— 16—
Lieutenant Plettenberg gleich bei ſeiner Ankunft geboten habe, daß jeder aus der Stube wegzugehen hätte, wenn ein Offizier zu ihm komme. Er zog gegen Familienglieder den Degen und trieb ſie gelegentlich alle in die Kälte hinaus; auch hielt er ſich gar ungebührlich mit Schimpfen und Schmähen. Gegen Ende Mai verließen die Kaiſerlichen die Stadt, und die Bürger gaben wohl ihrer Freude kräftigen Ausdruck. Denn als am 28. Mai der Bürgermeiſter Joh. Müller zum Hauptmann Wallerbeck kam, um ſich wegen der Lieferungen und anderer Dinge zu beſchweren, ſagte die Jungfer Steinbach, in deren Hauſe der Hauptmann wohnte, der Bürgermeiſter wolle ihr gerne einen andern Soldaten in ihr Haus legen und die von den Kaiſerlichen übrig gelaſſene Bagage vor die Thür werfen und wollte auch trotz der Gegenrede des Bürgermeiſters von ihrer Behauptung nicht abgehen. ¹)
Wenige Tage ſpäter verließen auch die mainziſchen Truppen die Stadt, und es blieb ſür ein Jahr lang nur ein kleiner Wachtpoſten zurück. Die abziehende Beſatzung marſchierte am 6. Juni nach Kamp. Damals glaubte man, daß die Franzoſen über den Hunsrück an den Rhein kommen würden. In Boppard erwartete man jeden Augenblick eine Belagerung, und der Schultheiß von Kneſen ſchrieb nach Ehrenbreit⸗ ſtein, daß die kleine Schar der Soldaten und Bürger nicht ſtandhalten würde, zumal ſie an allem Mangel litten. Darum hatte er am Morgen des 6. Juni mit dem kaiſerlichen Lieutenant zu Kamp verabredet, daß er gegen Abend die herauf gekommenen Oberlahnſteiner mit den dort gelegenen Soldaten, zuſammen 100 Mann, in 7 oder 8 Nachen einſchiffen und ſie nacheinander unter klingendem Spiele nach Boppard bringen ſolle. Dann würden die Franzoſen auf dem Hunsrück meinen, es ſeien irgendwoher friſche Truppen angelangt. Valeat, quantum valere potest, ſchließt er vorſorglich ſein Schreiben. ²)
Mit dem Abzug der Beſatzung war die Kriegslaſt nicht hinweg genommen. Das wußten die Häupter der Stadt recht gut. Darum beſchloſſen ſie auch am 2. Juni, weil alles Geld ausgegangen und doch bei der ſchweren Zeit ſtündlich welches nötig ſei, eine Anzahl Eichen zu verkaufen, um bares Geld zu erhalten. Gerade einen Monat ſpäter kam der kurfürſtliche Befehl, daß Lahnſtein 2 Dragoner und 4 Musketiere nebſt zugehöriger Montierung innerhalb 14 Tagen unter Strafe der Exekution werben und parat halten ſolle. Ferner mußte die Stadt zur
¹) Oberl. Gerichtsbuch.
²) Kriegsakten C. St.


