— 13—
das Volk zuſammen an die Lahn bis an Niederlahnſtein ziehen könne, um bei geſchehender Verweigerung des Kommandanten in Oberlahnſtein, eine Garniſon von unſern Völkern zu den ſeinigen einzunehmen, man ihm den Ernſt zeigen und dazu zwingen möge. Sie haben zu ſolchem Zweck ihre bei ſich habenden ſechs Feldſtücklein zu gebrauchen und verſehen ſich keiner Reſiſtenz, in welchem Fall ſie Ew. Kurfürſtl. Gnaden um ein paar zwölfpfündige Stücke anſprechen werden.“ Dem Hofrat war die An⸗ gelegenheit immerhin etwas bedenklich, aber im Hauptquartier erſchienen ſeine Beſorgniſſe nicht erheblich genug, um deswegen von dem Plane abzuſtehen. Für die 8 Regimenter wurden die Quartiere alſo verteilt: die Cavallerie ſollte die Gegend um Siegen und Dillenburg, 1 Regiment Infanterie die Strecke von Wetzlar bis Diez, 1 die Orte Naſſau, Dauſenau, Oberlahnſtein und Engers, 1 Coblenz, 1 Montabaur und die umliegenden Ortſchaften beſetzen. ¹)
Dem Beſchluſſe folgte die Ausführung auf dem Fuße. Am 13. Dezember, früh morgens, ehe der Tag graute, erſchienen unverſehens mehrere hannöverſche Regimenter unter dem Kommando des Generals Du Mont vor Oberlahnſtein„mit bei ſich habenden Stücken und Feuermörſern“. Ein General⸗Quartiermeiſter und der trieriſche Oberſtwachtmeiſter Leddig begehrten und erhielten Einlaß. Sie verlangten, daß der Kommandant von den draußen ſtehenden Völkern gutwillig eine Beſatzung einnehme, „widrigenfalls man den Ort mit Gewalt angreifen und mit Feuer ängſtigen wolle, denn man müſſe zur Bedeckung von Chrenbreitſtein notwendig dieſes Ortes verſichert ſein“. Der trieriſche Oberſtwachtmeiſter aber verſicherte im Namen ſeines Herrn, daß dem Städtlein durchaus kein Schade zugefügt werden ſolle. Die Truppen ſollten für ihr eigenes Geld zehren und unter dem hieſigen Kommandanten ſtehen. Dieſer, Joh. Daniel von Wonsheim, antwortete darauf, daß er vermöge kurfürſtlicher Ordre keine andere Beſatzung ohne Wiſſen des Kurfürſten einnehmen oder zulaſſen könne, daß hieſiger Stadt Gewalt geſchehe. Darum bat er, daß man wenigſtens ſo lange von der Stadt abziehe, bis er an den Kurfürſten berichtet und deſſen Beſcheid habe. Du Mont dagegen begehrte die ſchriftliche Verſicherung des Kommandanten, daß er ſo lange keine fremden Völker einlaſſen werde, bis die Antwort des Kurfürſten einge⸗ troffen ſei. Dieſem Verlangen mußte man ſich fügen, und die Truppen zogen mit ihren Geſchützen nach Niederlahnſtein. Eiligſt ritt dann der Zollſchreiber Kammerrat Löhr nach Chrenbreitſtein zum Kurfürſten von
n) Kriegsakten(Cobl. Staatsarch.).


