Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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die erſten Franzoſen von der Moſel her in der Nähe von Coblenz geſehen. Am 21. kam der General v. d. Lippe mit zwei heſſiſchen Regimentern in die Stadt, und am 24. lagerten die Franzoſen rings um dieſelbe bei Güls, auf der Karthauſe und in Lützel⸗Coblenz.) Während der Graf v. d. Lippe bei der nun folgenden, 7 Tage dauernden, Beſchießung die Stadt aufs trefflichſte verteidigte, blieben die heſſiſchen Reiter unter dem Oberſten Grafen Joh. Ernſt von Naſſau auf der rechten Nheinſeite. Am 23. Okt gab Joh. Ernſt von Montabaur aus ſeinem Oberſtlieutenant Hanſtein den Befehl, mit einer Kompagnie die Lahn ab⸗ wärts nach Naſſau, Dauſenau und Ems zu marſchieren. Am 25. Okt. verlegte er ſein Quartier nach Niederlahnſtein. Dieſes ſollte in aller Eile befeſtigt werden, damit die Franzoſen nicht von Oberlahnſtein aus den Ort zu nehmen verſuchten. Alle umliegenden Plätze wurden zu ſtarken Lieferungen genötigt. So mußte Pfaffendorf innerhalb Tagesfriſt 2000 Pfähle und 500 Palliſaden nach Niederlahnſtein bringen; ebenſoviel: Dauſenau, Nievern, Frücht, Miellen, Ems, Schweighauſen und Becheln. Auch an den Kommandanten von Braukbach erging ein Schreiben, damit er die ihm untergebenen Orte zur Lieferung von Faſchinen veranlaſſe. Frücht, Schweighauſen und Becheln mußten 150 Malter Hafer, 200 Centner Heu und 400 Gebund Stroh nach Niederlahnſtein ſchaffen. Auch nach Coblenz hatten dieſelben Orte Lieferungen zu machen. So wurden am 27. Okt. von Dachſenhauſen 1000, von Becheln 600 und von Schweighauſen 500 Palliſaden gefordert. Ebenſo wurden die um⸗ liegenden Ortſchaften zu Befeſtigungsarbeiten herangezogen. Horchheim und Pfaffendorf mußten am 26. Okt. je 15 Mann mit Hacken und Schaufeln nach Niederlahnſtein zur Arbeit ſchicken. Dabei liefen reichlich Klagen ein über Unordnungen aller Art, die ſich die Soldaten in den Quartieren zu Schulden kommen ließen. General v. d. Lippe erließ dagegen durch Joh. Ernſt die ſchärfſten Verordnungen. Oberſtlieutenant Hanſtein ſoll die Soldaten ſtreng beſtrafen und auch die Offiziere, die ſich ungehörig verhalten, ſchließen laſſen. Dabei liegen einige fette Küchenzettel, die dieſe für ſich aufgeſtellt haben.

Am 31. Oktober, dem Tage der Belagerung von Coblenz, machte Joh. Ernſt dem General die Anzeige, daß er nach Oberlahnſtein zu ge⸗ fahren ſei, um den Ort zu beſichtigen. Er fand ihn mit Graben, Mauern und Zwingern wohl verſehen. Zwei hohe Türme ragten über alle empor.

¹) Wegeler, Geſch. von Coblenz S. 113.