Aufsatz 
Lahnstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
(Beiträge zur Lahnsteiner Geschichte. II.)
Entstehung
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Die kleine zurückgebliebene Garniſon bereitete der Bürgerſchaft ebenfalls viele Sorgen. So berichtete dieſelbe 1684 nach Mainz, daß ſämtliche hieſige Soldaten verheiratet ſeien und nun auch noch ein verheirateter Lieutenant kommen ſolle. Drei Jahre ſpäter leſen wir, wie die Gemeinde klagt, daß auf den Wachtſtuben zu viel Holz gebraucht werde, und daß dem Lieutenant wöchentlich ein, dem Feldwebel monatlich zwei Wagen Holz geliefert werden müßten; auch erhielt der Lieutenant täglich für 2- 4 Alb. Licht. Im folgenden Jahre 1688 begann Ludwig XIV. aus nichtigen Gründen abermals den Krieg, und ſeine Heere rückten im Herbſt an den Rhein, um die feſten Plätze desſelben zu gewinnen. Aber auch im Reiche rüſtete man diesmal bald und beeilte ſich, dem Eindring ling entgegen zu treten. Der Kurfürſt von Mainz war zweifelhaft, auf welche Seite er ſich ſtellen ſollte. Er rüſtete jedoch, und am 19. Okt. verlas der Zollſchreiber in Lahnſtein der verſammelten Gemeinde,daß wegen bevorſtehender Kriegsgefahr, um mehr Soldateska auf die Beine zu bringen, eine beſondere Schatzung ausgeſchrieben ſei, und daß ſolche Gelder monatlich ſollten geſammelt werden. Am 25. Okt. aber übergab der Kurfürſt ſeine Hauptſtadt ohne Schwertſtreich den Franzoſen. Dieſe durchſtreifften nun die ganze Gegend und verbreiteten überall Furcht und Schrecken.) Oberlahnſtein erhielt wie Mainz eine franzöſiſche Beſatzung. Im Gegenſatz zum Kurfürſten von Mainz war der Erzbiſchof von Trier, Joh. Hugo, den Franzoſen wenig günſtig geſinnt und wollte ſie in ſeine Feſtungen nicht aufnehmen. As ſie dann drohend heranrückten, ſah er ſich nach Hilfe um. Sein Geſandter in Kaſſel, Hofrat Wetzel, bat den Landgrafen um ſchleunige Unterſtützung, und dieſer ſchrieb am 15. Okt. mit dem Ausdruck der Freude, daß der Kurfürſt die Sache des Reiches nicht verlaſſen wolle, es würden ſofort 6 Kompagnieen zu Fuß und 3 Komp. Dragoner unter dem Grafen von der Lippe aufbrechen, um Coblenz und Ehrenbreitſtein zu beſetzen; in etwa 8 Tagen würden ſie im Montabaurſchen ſein. Nach dem Vorſchlage Wetzels ſollten Montabaur, Grenzau, Engers und Oberlahnſtein beſetzt werden. Inbetreff der letzteren Stadt hatte der Landgraf ſeine Bedenken, wollte aber die Beſetzung geſchehen laſſen, wenn der Kurfürſt es wünſche. Zu dem Zwecke ſollte dann der Oberſt Bardensleben geſchickt werden, nach dem Urteile des Grafen von der Lippe ein feiner Offizier, der ſich zum Kommandanten von Coblenz eignen würde.

Raſche Hülfe war auch nötig, denn bereits am 18. Okt. wurden

¹) Famosa incursio Gallorum, Braub. Kirchenb.