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Theophano freilich nicht zu thun, doch ging unter Erzbischof Giselher und Mark- graf Eckard von Meissen ein Hilfscorps an Mesko von Polen ab. Es war ein abenteuerlicher Ritt, den der Erzbischof mit den sächsischen Herren durch das Wendenland machte. Vier Fähnlein stark, erzählt Thietmar, dessen Vater an dem Zuge theilnahm, brechen die Sachsen auf und lagern im Gau Selpuli an einer langen, über einen Sumpf geschlagenen Brücke. In der Nacht kommt Botschaft, dass Boleslaw mit den Böhmen und den heidnischen Liutizen heranrückt. Bestürzt macht man sich marschbereit, hört zu Fuss und zu Ross, wie man eben ist, die Frühmesse und rückt mit eintretender Dämmerung in ängstlicher Spannung aus. Da stösst man auch schon auf des Feindes dichte Schlachthaufen. Von beiden Seiten gehen Kundschafter aus. Der böhmische Ritter meldet dem Herzog, dass der Sachsen Schar zwar klein sei, aber vom Kopf bis zu Fuss in Eisen stecke; ein Kampf sei zu vermeiden, da selbst ein Sieg Schwächung der böhmischen Kriegskraft und dauernde Feindschaft mit den Sachsen zur Folge haben müsse. Der wilde Boleslaw, der nach dem Willen seiner Mannen alle Sachsen umbringen soll, lässt nun das Schwert in der Scheide und wirbt um die Vermittlung der Sachsen in seinem Grenzstreit mit Mesko. Man geht darauf ein, entlässt die Mannschaft in die Heimat und Erzbischof Giselher, der ritterliche Markgraf Eckard und die Grafen Esiko und Benizo reiten nun im Gefolge Boleslaws mit den nach ihrem Blut dürstenden Liutizen bis an die Oder gegen Mesko. Dort meldet man dem Polenherzog, dass die Führer der Sachsen in der Hand der Böhmen seien und umgebracht werden würden, falls Mesko das geraubte böhmische Gebiet nicht herausgebe. Allein der Pole kennt des Böhmen Respekt vor dem deutschen Reiche. Er lässt sich nicht einschüchtern und hat recht damit. Der Böhme wagt den sächsischen Herren kein Haar zu krümmen und hat Sorge genug, dieselben vor der Wut seiner heidnischen Bundesgenossen, der Liutizen, zu schützen; schon am folgenden Tage erkennt er, dass er seinen vornehmen Gästen, oder wenn man will, Gefangenen, weiteren Schutz gegen die Blutgier der Liutizen nicht gewähren kann; ihnen dringend Eile und Vorsicht einschärfend, verhilft er denselben zur Flucht. Kaum wird die Flucht entdeckt, so drängt man zur Verfolgung; mühsam hält der Herzog die wütenden Liutizen weitere zwei Tage bei sich zurück, dann trennen sich unter Erneuerung des Bündnisses Böhmen und Liutizen und diese hetzen 200 Reiter auf die Spur der Flüchtlinge. Allein die sächsischen Herren werden rechtzeitig gewarnt; sie beschleunigen die Flucht und erreichen glücklich Magde- burg. ¹) So etwa erzählt den abenteuerlichen Ritt Thietmar. Giselhers Aufgabe wird es gewesen sein, zwischen seinen ehemaligen, nun mit einander verfeindeten Parteigängern, dem Polen und dem Böhmen, zu vermitteln. Das nähere ist un- bekannt; es erhellt aber, dass der deutsche ⸗Name auch im Wendenlande trotz Aufruhr und Krieg geachtet und gefürchtet war. Der Böhme wich unmittelbarem Kampf oder Verwicklung aus; er zahlte nach wie vor Tribut an Deutsehland.
¹) Thietmar IV, 9; Wilmans Exc. VIII, 3; L. Giesebrecht, weud. Geschichten I, 275, Anm. I.


