29 östlichen Marken sich unter ihnen befand, so beweist das, wie weit die Verbindung desselben reichte, und wie hoch Theophano die Dienste desselben zu schätzen hatte. Die kluge Kaiserin hielt mit der Anerkennung nicht zurück. Nachdem am 17. Mai 987 der Friede mit dem jungen Ludwig von Frankreich geschlossen war, wurde schon am 20. Mai zu Allstädt dem Erzbischof Giselher von Magdeburg bei beson- derer Betonung seiner Verdienste um das Haus der Ottonen Bann, Zoll und Münze in Gibichenstein bei Halle übertragen.¹) Aus dieser rückhaltlosen Anerkennung wird es nahezu zweifellos, dass Gieselher in dem neuen Reichsregiment wieder eine Bedeutung besass, die seiner Stellung zur Regierung Ottos II. entsprach.
Als gegen Winter 988 Theophano sich nach Italien begab, ²) um hier die deutsche Autorität neu zu beleben, blieb Giselher in Deutschland, vermutlich um die Interessen seiner Suffragane jenseit der Elbe persönlich zu fördern. Allein der Betrieb der wendischen Frage wurde während der Abwesenheit der Regentin matter.
Giselher hatte damals einen Eigentumsprocess mit Bertheida, der Tochter Berthas, der Wittwe Bernhards von Borghorst, und Liutberts. Es hatte nämlich Bertha zu Ehren des Märtyrers Nicomedes ein Nonnenkloster und eine Kirche in Borghorst(nördlich von Münster) erbaut und mit Einwilligung der Erben alle ihr rechtlich zufallenden Güter vermacht. Nach der Sitte der Zeit war die junge Stiftung dem Schutze Ottos des Grossen empfohlen und von diesem dem Erzbischof Adalbert von Magdeburg unterstellt worden. Das mochte 968 geschehen sein. ³) Nach dem Tode Berthas scheint nun allerdings Giselher Ansprüche erhoben zu haben auf Güter, die rechtlich nicht zu jener Stiftung gehörten. Bertheida klagte; die Sache kam am 9. Februar 989 zu Erwitta in Westfalen zur Verhandlung. Das Urteil lautete dahin, dass Bertheida das Erbteil ihres Vaters Liutbert ganz, aus dem Besitztum ihres Stiefvaters Bernhard aber ein Ort Kurni nebst zehn Hufen zufallen, die übrigen Borghorstschen Güter aber dem Kloster verbleiben sollten. ⁴)
Mit der Rückkehr Theophanos aus Italien, die gegen Sommer 990 stattfand, wurden die Unternehmungen gegen die Wenden wieder kräftiger. Zwei Feldzüge gegen die Abodriten zeugen dafür.5) In Magdeburg, wohin sich die kaiserliche Frau begab, erschienen Abgesandte des Polenherzogs, um gegen Boleslaw von Böhmen und die diesem verbündeten Liutizen Hilfe zu bitten.⁰) Viel vermochte
1) Stumpf, Regest. 905, bei Höfer I, 523: Gisalharius venerabilis archiepiscopus, qui saepe beatae memoriae avo nostro Ottoni et aequivoco illius genitori nostro imperatoribus sc. augustis et nobis devotum et fldele servitium exhibuit.
2) Giesebrecht, Kaiserzt. I, 649.
3) Stumpf, Regest. No. 458, ein nicht unverdächtiges Dokument.
4) Sagittar 214, Stumpf Regest. 922.
5) Ann. Hildesh. u. Quedlinburg. zu 990: hoc anno Saxones bis grandi eruptione Abodritos vastabant. Multique quoque illorum et penitus nominatissimi interemti sunt, alii in flumine necati.
) Anlass zum böhmisch-polnischen Kriege waren Grenastreitigkeiten; Ann. Quedlinburg. u, Hildesh. a. O.: Misacho et Bolislavo... gravibus inimicitiis inter se conflixerant; Thietmar IV, 9: si regnum sibi ablatum redderet.


