Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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Es werden einerseits Besorgnisse gewesen sein, die ihm für die neue Organisation in den wendischen Bistümern aus der vormundschaftlichen Regierung der Kaiserin erwuchsen, und andrerseits Vorteile, die er für die Befriedigung an den Grenzen aus dem Verhältnisse Heinrichs zu den Slawen erwartete. Auf solche Besorgnisse für den Bestand der neuen Ordnung in den wendischen Hochstiftern deutet das Zerwürfnis Theophanos und des vertrauten Ratgebers und Mitwissers aller Pläne Ottos II, Theoderichs von Metz. Theoderich, der persönliche Freund Giselhers, über- warf sich in Rom aus unbekanntem Anlass mit der trauernden Kaiserin und schloss sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland sofort dem Prätendenten Heinrich an. ¹) Wir wissen, dass ein schlau berechnender Klerus mit damals sehr wirksamen Erzählungen von Erscheinungen des gekränkten Heiligen Kaiser Otto II. zu ängstigen und zur Wiederherstellung des Merseburger Hochstifts zu bestimmen versucht hatte. Der Kaiser hatte über solches Gerede gelacht; auf Theophano aber machten derartige Gerüchte tieferen Eindruck. Die ängstliche Sorge um das Seelenheil des verstorbenen Gemahls, ²) das Gesicht, welches sie in jener traurigen Zeit im Traume zu sehen glaubte,²) endlich die Absicht das Bis- tum wiederherzustellen oder wenigstens den kaiserlichen Knaben zu diesem Vorsatz zu erziehen, alles dieses deutet darauf hin, dass Theophano die Auflösung des Merseburger Sprengels tief beklagte und den in Rom weilenden Theoderich von Metz, den Hauptbeteiligten, mit Vorwürfen nicht verschonte. So wird Theoderich im Groll von der Kaiserin geschieden sein und, in Deutschland angekommen, es nicht unterlassen haben, seinen Freund Giselher von den Restitutionsplänen der Kaiserin in Kenntnis zu setzen. ¹) Giselher suchte als Vertreter der alten Ottonischen Politik in den wendischen Marken gegenüber den Plänen der Kaiserin einen Halt an dem Gegenprätendenten Heinrich, der zudem durch seine slawischen Partei- gänger, die Herzöge von Böhmen und Polen und den Abodriten Mistui, geeignet erschien, ein erträgliches Verhältnis mit den aufständischen Wenden herbeizuführen.

Wieweit Giselher in Folge seiner Beziehungen zu dem Bischof von Metz an dem französisch-lothringischen Parteitreiben teilnahm, ist nicht zu entscheiden; in Sachsen liess er es an Werbung für Heinrich nicht fehlen. Als dieser dorthin nach namhaften Erfolgen im Westen kam, wurde er im allgemeinen auch von den Sachsen als Reichsverweser anerkannt. Auch ihnen schien der deutsche Mann, zumal in jener kritischen Zeit, der griechischen, viel verleumdeten Frau vorzuziehen.

¹) Giesebrecht, Kaiserz. I, 611 u. Jahrb. Exc. IX, 144 ff.

2) Vita Brunonis p. 191: Peccatum, quod vivens neglexit, mortuo marito, emendare uxor superstes instabat..

3) Thietmar III, 8; das Chron. Episc. Merseburg. p. 170 bezieht das bei Thietmar ohne Zeitbestimmung erwähnte Gesicht geradezu auf den Todesfall: Mater eius, piissima Theophana cum in partibus Italiae de maritali funere moestissima commoraretur, in tempestate noctis silentio vidit per somnium sanctum sibi adsistere Laurentium dextro brachio mutilatum. Hac visione pia Theo- phana exterrita, non matri sed famulae competentes in natum advertit, orans, ut paterna delicta in re- paratione Merseburgensis ecclesiae expiaret.

⁴¹) Wilmans in Rankes Jahrb. II, 2, 5 nimmt auch die alte Verbindung an.