Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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gekehrten Führer zur Schlacht; das Ergebnis war ungemein günstig. Der freilich schon sagenübersponnene Bericht meldet, dass 30000 Feinde erlagen, während der sächsische Verlust verschwindend klein war.¹) Trotz des namhaften Erfolges wagte der Sieger nicht über die Elbe zu dringen; aber Deutschland war zunächst vor einer Überflutung durch wendische Scharen geborgen. Das war nicht zum wenigsten ein Verdienst des Erzbischofs Giselher von Magdeburg.

Die Krönung zum Könige war eben an dem vierjährigen Sohne Ottos II. durch die beiden ersten geistlichen Würdenträger des Reichs, Johann von Ravenna uud Willigis von Mainz, am Weihnachtsfeste zu Aachen vollzogen worden, als durch die Botschaft von dem in Rom erfolgten Tode des Kaisers die Feierlich- keiten ein jähes Ende fanden. Der zu früh Verstorbene hatte es nicht allen recht machen können; als er aber jetzt mitten in der Krisis, welche die Welt umfasste,*) dahinschied, war die Trauer allgemein. Otto ist Schutz und Schirm des Reichs und Schrecken der Feinde gewesen;*) sein Tod hat das Reich bis in seine innersten Fugen erschüttert. Nicht einmal die Nachfolge seines eben gekrönten Sohnes war gesichert. Deutschland spaltete sich in zwei Lager: in dem einen hielt man an Otto III. fest, in dem andern dachte man dessen Vetter, den ge- ächteten und gefangenen ehemaligen Herzog Heinrich von Baiern, auf den Thron zu bringen; Abneigung gegen die treffliche, aber viel verleumdete, Kaiserin Theo- phano soll das Motiv gewesen sein.4) Auf die Vormundschaft erhoben Anspruch die Griechin Theophano als Mutter, Heinrich, der sich seiner Haft entzogen hatte, als nächster Agnat und der Karolinger Lothar von Frankreich als Vetter mütter- licherseits.) Während Theophano noch in Italien war, brachte Heinrich den Königsknaben in seine Hand und gewann nicht nur in Lothringen und Baiern, sondern auch in Sachsen, dem Stammlande der Ottonen, Boden.¹²) Hier hat vor allen Giselher Heinrichs Partei genommen. Was den Metropoliten von Magdeburg zu dem Anschluss an Heinrich, dessen Regentschaft einer Umwandlung der von Otto II. geschaffenen Verhältnisse gleichkam, trieb,?) ergibt sich aus den Quellen

¹) Thietm. III, 11: omnes autem nostri, exceptis tribus, crastino gaudentes remeabant; Ann. Magdeb. p. 156 u. 57: 30 milia una die perimentes; Annalista Saxo p. 631 führt mit komischer Ge- nauigkeit den Verlust der Slawen an: de Slavis autem ceciderunt 30 milia 754. Der Schlachtort wird an der Tanger gewesen sein; Ann. Saxo macht zu Thietmar III, 11 den Zusatz in loco, qui Belxem dicitur, was den Gau an der Tanger bedeutet.

2) Ranke, Weltgesch. VII, 29.

3) Thietmar III, 15: hic regni tutor et imperii, hostibus cunctis horrendus commissisque gregibus inexpugnabilis murus.

4) Ann. Magdeburg. p. 157.

5) Waitz, Verfassungsgesch. VI, 217; Thietmar IV, 1, Annal. Quedlinb. p. 66; Ann. Einsidl. 982; Gerbert, epist. 50, 31 über Lothar; Wilmans Jahrb. II, 2, 9.

6) Thietmar IV, 1, III, 15: Solvitur a Traiectensi custodia dux Heinricus, et ab eo rex tenellus ad nutriendum sive ad degradandum a Warino, Coloniensi archiepiscopo... assumitur. Giesebrecht, Kaiserz. I. 612 ff.

) ibid. 611.