Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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möglichst schnell zu erreichen. Die ersten Schläge des losbrechenden Kriegsge- witters, die Nachricht von einem Einfall der Dänen, hatten Herzog Bernhard mitten auf dem Wege zur Umkehr genötigt.¹) Wie dem Grafen Siegfried von Stade, dem Vater unseres Chronisten Thietmar, mochte sich manchem bange Sorge um den Bestand des Friedens an den wendisch-slawischen Grenzen aufdrängen. ²) Vieles wirkte zusammen, den mühsam niedergehaltenen Slawen Hass und Mut zugleich zu entflammen. Dem sagenhaften Berichte Helmolds über die Ursache des ausge- dehnten Aufstandes entnehmen wir, dass vornehmlich das übermütige und doch feige, selbst von den Sachsen getadelte Auftreten des Markgrafen Theoderich die Slawen zu heller Empörung trieb und verband.¹) Die lange Abwesenheit des Kaisers, die aus des Markgrafen Hoffart erwachsene Uneinigkeit unter den sächsischen Grossen,4) die Umgestaltung in den wendischen Bistümern und die daraus ent- sprungene Gärung unter Klerus und Laien, die Kunde von der Niederlage der deutschen Sache in Italien und deren Widerhall in den fernsten Marken, die Ge- legenheit, welche die Reise der deutschen Fürsten nach Italien zu bieten schien, endlich der glückliche Angriff der Dänen, welchen Herzog Bernhard nur mit grösster Anstrengung Widerstand leistete, alles dieses begünstigte den Losbruch eines Orkans, der, jenen furchtbaren Ungarngefahren vergleichbar, für Deutschland verhängnisvoll zu werden drohte.

Die richtige Würdigung der sächsischen Verhältnisse bestimmte vermutlich den Kaiser, Giselher, dessen Dienste auch in Italien schwer zu entbehren gewesen sein werden, zugleich mit den sächsischen Edlen in die Heimat zu entlassen. Giselher hatte zum ersten Male die Rolle zu übernehmen, welche dem Erzbischof von Magdeburg von Otto dem Grossen von Anfang an zugedacht war; er sollte Mittelpunkt für die Kriegskraft jener Gegend und Führer sein. Noch bevor der Erzbischof seine Metropole erreichte, entlud sich das Kriegsgewitter längs der Elbe. Am 29. Juni fiel Havelburg, drei Tage später Brandenburg in die Hand der verbündeten Wenden. Von Norden her rückte der Abodritenherzog Mistui vor das St. Lorenzkloster in Kalbe, zerstörte es und trieb die Sachsen wie die Hirche vor sich her; dann legte er Hamburg in Asche; verbrannte Städte und Dörfer bezeichneten den Weg der Wenden. Schon drohte der Erbfeind deutscher Gesittung unter Trompetenschall und Beistand seiner Götter alles niederzubrennen. Waren doch 30000 Mann zu Fuss und zu Ross bereit, vermutlich direkt auf Magdeburg loszugehen.) Die Hälfte des Magdeburger Sprengels war bereits ver- loren. Da griff Giselher ein. Die Sachsen sammelten sich um ihn und ihre heim-

¹) Thietmar III, 14: Solus dux Bernhardus in media revertitur via: namque una ex urbibus suis, quam imperator contra Danos opere et praesidio firmavit, dolo ab his denuo capta, cnesis de- fensoribus eiusdem incensa est.

) Thietmar III, 10.

3) Giesebrecht, Jahrb. p. 99 ff.

4) Thietmar III, 10 Anfang.

5) Giesebrecht, Jahrb. p. 102; Thietmar III, 10 u. 11 mit Benutzung der trefflichen Exc. XI bei Giesebrecht Jahrb.; Kaiserz. I, 604 ff.