Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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19 jene Händel und Beschwerden, die auf der römischen Synode zur Sprache kamen. Wie sehr man die Abtretung an Merseburg in Halberstadt als widerrechtlich empfand, beweisen auch die Schwierigkeiten, die Halberstadt später bei der Re- stauration des Merseburger Sprengels machte.¹) Man musste entweder die sehr energisch gemachten Forderungen des Halberstädter Prälaten unterdrücken oder, wenn man das nicht vermochte, sie befriedigen.) Da Kaiser Otto II., in vielfache Händel verwickelt, sich nicht mit voller Kraft den noch unfertigen Schöpfungen seines Vaters widmen konnte, in Folge dessen aber eine Zurückweisung der Halber- städter Ansprüche nicht möglich war, so musste man, um in den wendischen Hochstiften, namentlich in Magdeburg einen erträglichen Zustand zu schaffen, die Ansprüche Hildewards erfüllen. Nicht also um Giselhers Ehrgeiz zu befriedigen, wurde das Hochstift Merseburg geopfert, sondern zur Befriedigung der Halberstädter Ansprüche und zur Befestigung der Magdeburger Diöcese. Es war keine Laune des Kaisers, sondern eine politische Massregel,ein Versuch die Verhältnisse des Erzbistums Magdeburg endlich ins Reine zu bringen.³)

Mag man auch Merseburg als die Lieblingsschöpfung des grossen Kaisers in den wendischen Gegenden bezeichnen, die Hauptschöpfung bleibt doch Magde- burg. Zur Gründung des Erzstifts Magdeburg bestimmte Otto den Grossen nicht allein die Sorge um die Bekehrung der Wenden und den Ausbau der christlichen Kirche im Wendenlande, sondern auch politische Rücksicht. Nach dem Kriege der Söhne gegen den Vater(953 54) hatte Otto es aufgeben müssen, Krone und Herzogtum durch die Gemeinsamkeit des Familieninteresses zu verbinden;) die neue Politik suchte für die Krone neue Stützen; Otto meinte sie in der Kirche gefunden zu haben; sein Streben war auf einen festen Bund zwischen Reich und Kirche gerichtet;?) die Familienpolitik, die sich bei der Verteilung weltlicher Fürstentümer nicht bewährt hatte, wurde auf die Kirche übertragen. Verwandte oder mindestens lang erprobte Männer bestiegen die Bischofstühle. Das geistliche Fürstentum sollte fortan dem Königtum eine Stütze sein gegenüber dem weltlichen Fürstentum. In dieser Zeit des Systemwechsels hört man zuerst Bestimmteres von der Gründung eines Erzstifts in Magdeburg.²) Darauf hat Lindecke hingewiesen, und Krühne ist der Ansicht, dass wie die Ernennung Bruns zum Herzog von Lothringen(953) und die Erhebung Wilhelms auf den Mainzer Stuhl(954), auch die Gründung des Erzbistums Magdeburg als ein Ausdruck jener Ottonischen Politik, welche in den Bischöfen die Stützen des Thrones und die Gegenpartner der Laienfürsten erblickte, erscheine.) Es ist charakteristisch, dass nach dem Tode

¹) Fraustadt a. O. 158.

2) Krühne a. O. 328, 29.

3) ibid. 329.

4) Giesebrecht a. O. 438 ff. 5) Ruotger, Vita Brun. c. 20. 6) Lindecke a. O. p. 14/15. ) Krühne a. O. 313.

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