Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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20 Markgrafen Gero(965), des wackersten Vorkämpfers des Germanentums gegen die Slawenwelt, dessen Schwert der Begründung des Erastifts tüchtig vorgearbeitet hatte, die ausgedehnte Gewalt dieses Mannes nicht auf einen Nachfolger übergeht, sondern dass sie zersplittert wird. Verschiedene Markgrafen traten die Erbschaft Geros an. Mögen nun auch die Verhältnisse zu den Slawen eine so ausserordentliche Machtfülle, wie sie Gero besessen hatte, damals nicht mehr erfordert haben, ¹) einen Mittelpunkt für jene Grenzgebiete musste der Kaiser schaffen. Dieser Mittelpunkt sollte das Erzstift Magdeburg werden. Es lässt sich zwar derartiges wenig quellen- mässig, noch urkundlich nachweisen; indessen stimmt es ganz mit der führenden Stellung überein, die Giselher in den späteren Wendenkämpfen einnimmt. Solche Pläne mit Magdeburg voll zu realisieren, vereitelte des grossen Kaisers zu früher Tod. Otto II., anderweitig viel in Anspruch genommen, mochte sich Magdeburgs Ausbau und Pflege nicht genügend widmen können. Da erhob sich von kirch- licher und weltlicher Seite gegen den Metropoliten von Magdeburg, der die Inter- essen des Kaisers in jenen Gegenden vertrat, Opposition, die aus dem Argwohn der Fürsten hervorging. Der gefährlichste Gegner war der Halberstädter; da der Sprengel des Erzbistums damals nur einen geringen Umfang hatte, ²) so konnte Magdeburg Halberstadt nicht bewältigen; wollte Otto II. die Schöpfungen seines Vaters in den Grenzlanden aufrecht erhalten, so musste dort eine Reorganisation eintreten. Um die Hauptschöpfung zu stärken, um Ottos I. politisches Prinzip zu stützen, wurde Merseburg geopfert. Die Auflösung Merseburgs erscheint als Pietät- losigkeit Ottos II. gegen den Vater in den Darstellungen der klerikalen Bericht- erstatter; sie war vielleicht ein pietätvoller Versuch von des Vaters grossen Stiftungen die grösste zu retten.³¹) Giselher aber war der langerprobte Mann, dem man die Reorganisation übertrug: der Umfang der Magdeburger Diöcese war zu klein; er musste erweitert werden; das geschah durch Merseburger Bezirke. Die erzbischöfliche Kirche, gewiss nicht so reich, wie Bruno annimmt, wurde ausge- stattet durch Eigengüter und Leibeigene des Merseburger Hochstifts. Natürlich zeigte sich gegen diese Kräftigung Magdeburgs Abneigung bei dem Klerus und dem Adel, gegen den diese Kräftigung gerichtet war. Die Erbitterung, welche durch diese Massregel hervorgerufen wurde, übertrug sich naturgemäss auf die Männer, welche mit ihrer Ausführung beauftragt waren, vornehmlich auf Giselher.

Diesen scheint die Ordnung der Merseburger Angelegenheit zunächst nicht lange in Deutschland gehalten zu haben; schon am 31. Januar 982 dürfen wir den Magdeburger Erzbischof an der Seite des Kaisers in Matera(nordwestlich von Taranto) vermuten. Wenigstens sind von hier aus die Urkunden datiert, welche die ehemaligen Merseburger Stiftsgüter Priessnitz4) und Kohren) an Magdeburg

¹) Lindecke a. O. p. 23 u. Krühne a. O. 314.

2) Fraustadt a. O. p. 154.

) oben p. 16.

4) Stumpf, Reg. 817 u. 710; Sagittar I, 206.

) Stumpf, Reg. 816; Sagittar I, 205; Kreysig a. O. VI, 6.