17 über Sachsen hereinbrach, mass man Otto die Schuld bei,¹) der den Zorn des heiligen Laurentius heraufbeschworen. Des Kaisers Popularität sollte erschüttert, Giselher in Miskredit gebracht werden. Das scheint den Geistlichen zur Genüge gelungen zu sein. Man warf Giselher vor, er habe aus blinder Ehrbegier das Hochstift Merseburg zertrümmert.²) Chronisten, welche Rücksicht zu nehmen haben, tragen Bedenken auf die Sache tiefer einzugehen.)
Der Auffassung der klerikalen Berichterstatter, nach welcher das Hochstift Merseburg dem Ehrgeiz Giselhers geopfert wurde, haben sich neuere und neuste Geschichtsschreiber fast ausnahmslos angeschlossen. Man hat den aus klerikalen Quellen fliessenden Nachrichten, die naturgemäss in der Merseburger Angelegenheit Parteifärbung tragen, ohne vieles Bedenken Glauben geschenkt und Quellen- material und Urkundenmaterial zu wenig mit einander verglichen. Selbst der Altmeister auf dem Gebiete„der deutschen Kaiserzeit“, Wilhelm v. Giesebrecht ist der Ansicht, Merseburg sei vernichtet worden, um Giselhers Ehrgeiz zu be- friedigen,¹) des Mannes, den Otto II. bis zur Unbill begünstigt,?) der aber ein alter Ränkeschmied gewesen. ⁰)
Es ist einleuchtend, dass Thietmar, der als Bischof von Merseburg mit den Schwierigkeiten der Diöcesanrestauration während seines ganzen Episkopats zu ringen hatte, kein unbefangener Gewährsmann ist. Ottos II. hoher Sinn, der das Imperium seines Vaters nach allen Seiten hin zu behaupten suchte,?) bürgt dafür, dass der junge Kaiser nicht um eines so leichtfertigen Grundes willen, wie es die Befriedigung des Ehrgeizes eines seiner Vasallen war,„den Bestand einer Organisation in Frage stellte, welche seinem Vater nur nach dreizehnjährigen Mühen herzustellen gelungen war.“³) Andrerseits bezeugt das wohlwollende Urteil Adams von Bremen, das Giselher einen heiligen Mann nennt, der die neubekehrten Stämme der Winuler durch seine Lehre?) und das Vorbild seiner Tugenden erleuchtete, und die in zahl- reichen Urkunden immer wiederkehrende Anerkennung der Verdienste, die sich der Prälat um Kaiser und Reich erworben, dass Giselher mehr gewesen ist als ein ehrgeiziger Schmeichler. Vor allem aber bedurfte es, um Giselhers Ehrgeiz zu befriedigen und ihn auf den erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg zu erheben, gar nicht der Zertrümmerung des Merseburger Hochstifts.
¹) Thietm. Prolog.
2) Ann. Magdeb. ambitionis ceca cupidine ductus.
³) Ann. Magdeb. 156.
4) Giesebrecht a. O. I, 606.
5) Giesebrecht a. O. I, 618.
6) Giesebrecht a. O. II, 37.
7) Ranke, Weltgeschichte VII, 16.
s8) M. Krühne, Verfassungsgesch. der Stadt Magdeburg in den Geschichtsblüttern für Stadt und Land. Magdeburg 1880, p. 328 ff.
9) II, c. 21: et ipse vir sanctus qui novellos Winulorum populos doctrina et virtutibus augeri fecit.
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