Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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Kirchenprovinz neun Städte, sämtlich Burgwarde, mit ihren Wehrbezirken zurück; es sind Schkeuditz, Taucha, Wurzen, Püchen, Eilenburg, Düben, Löbnitz, Pauch und Zöckeritz am Loberbache. ¹) In dieser Gegend übte Magdeburg schon lange Zehntrecht; wenigstens wurde es ihm über Wurzen und Eilenburg 961 urkundlieh übertragen. ²) Im Ganzen umschloss das zu Magdeburg gezogene Gebiet ein Terri- torium, welches, nördlich einer Linie von der Elstermündung über Leipzig hinaus nach Wurzen liegend, im Osten in den Burgbezirken von Wurzen, Püchen, Eilen- burg, Düben und Pauch, im Westen auf der linken Seite des Loberbaches seine Grenze fand. ³) Das übrige Gebiet wurde zwischen Meissen und Zeitz verteilt.

Der Auflösung des Diöcesanverbandes folgte naturgemäss die Verfügung über das bewegliche und unbewegliche Kirchengut Merseburgs. Für die Aus- stattung der Lorenzabtei genügte ein geringer Teil des Kirchenguts; die Haupt- masse und zwar das Wertvollste an Gütern, Ministerialen und Schmuckgegen- ständen ging an das Erzstift über.4) Die Ueberweisung der Kirchengüter an ver- schiedene Herren hat den Wiederaufbau der Diöcese Merseburg, wie er später durch Heinrich II. betrieben wurde, sehr erschwert. Das hat der Chronist Thiet- mar, als er als Bischof bei diesem Werke mithalf, schmerzlich empfunden und im Unmut darüber Giselher vorgeworfen, diese Zersplitterung der Besitzungen in der Absicht vorgenommen zu haben, um eine Wiedervereinigung für alle Zeit un- möglich zu machen.)

Die Diplome, welche die königlichen und kaiserlichen Dotationen ent- hielten, wurden von Giselher teilweise verbrannt, zum Teil liess er sie auf seine Kirche umschreiben.) Diese Bemerkung Thietmars verbunden mit der Behauptung der Merseburger Bischofschronik(für die freilich der Beweis nur versprochen, nicht gebracht wird), dass Giselher in der Merseburger Schenkungsurkunde ver- stohlen radiert habe, verdächtigt den Erzbischof der Urkundenfälschung.) Zu allen Zeiten und nicht am wenigsten zu jener Zeit des persönlichsten Regiments ist mit Urkunden Fälschung und Betrug getrieben worden. Selbst ein Piligrim von Passau hat sich schwerer Urkundenfälschung schuldig gemacht;*) die beiden Prälaten von Passau und Salzburg wetteiferten(mit Schmerz und Scham zu sagen,

¹) Thietm. III, 9, Arch. 1876 p. 107.

2) Leibn. Ann. imp. III, 71; Stumpf 293.

3) Kreysig VI, 302 u. sächs. Arch. a. O.

4) Vita S. Henrici, M. G. IV, 3: de quibusdam reliquiis possessionum, quae Merseburg re- manserant, Abbatia inibi instruebatur. Quae potiora erant illius ecclesiae in praediis, in mini- sterialibus, in ornamentis in ditionem Magdeburgensis ecclesiae transferrentur.

5) Thietm. III, 9: Mancipia et totum, quod Merseburg respicere deberet, ne unquam colli- geretur, sponte dispersit; dazu Chron. Ep. Merseb. p. 169: consultu et annisu Theoderici Metensis ecclesiae provisoris.

6) Thietm. III, 9: Praecepta, quae munera regalia seu imperialia detinebant, aut igni com- burebat aut ecclesiae suae mutato nomine designari fecit.

7) Chron. Episc. Merseb.: quae ille apostatans, ut declarabimus, furtim subrasit.

s) Dümmler, Piligrim.