Merseburger Diöcese schon, als Giselher im November 980 ¹) vermutlich im Gefolge des Kaisers die Alpen überstieg, um in Italien, wo er sich im Vorjahre den Dank Ottos erworben, der Sache des Reiches zu dienen. Am 5. Dezember legte er zu Pavia für das Bistum Chur seine Fürsprache ein. ²) In welchen Geschäften der Kaiser den gewandten Mann benutzte, erfahren wir nicht. Sie sind von höchster Wichtigkeit gewesen. W. v. Giesebrecht urteilt:„Um den Ehrgeiz dieses Menschen zu befriedigen, schien kein anderer Ausweg übrig, als die Vernichtung eines Bistums, welches zum Andenken an seinen Ungarnsieg der grosse Otto gestiftet und mit besonderer Sorgfalt gepflegt hatte. ³)
Wir stehen vor dem Ereignis, das für die Beurteilung der Persönlichkeit Giselhers entscheidend geworden ist.
Das Erzbistum Magdeburg, das der verstorbene Kaiser als Metropole für die nordöstliche Slawenwelt an der Grabstätte seiner unvergesslichen Gemahlin Editha begründet und eifrig ausgestattet hatte,“) wurde durch den Tod des in kirchlicher Beziehung äusserst thätigen Erzbischof Adalbert am 20. Juni 981 er- ledigt.?5) Gestützt auf die am 19. November 979 durch Otto II. an die Stiftsgeist- lichen freigegebene Erzbischofswahl,é) erkor man zu Magdeburg trotz wiederholt vorhergegangener Abmahnung Adalberts?) den gelehrten Othrik, den ehemaligen Vorsteher der Magdeburger Domschule, zum Nachfolger. Um die Bestätigung für diese Wahl einzuholen, begab sich eine Deputation von Klerikern und Rittern unter der Führung des roten Eckehard an den kaiserlichen Hof nach Ütalien. Otto residierte damals vermutlich in Cedici.*) Hier befand sich auch Othrik; er hatte nach wiederholtem Zwist mit Adalbert die Leitung der Magdeburger Schule, die durch ihn bedeutend emporgekommen war, aufgegeben und war freilich zum Verdruss, aber doch mit Genehmigung seines Erzbischofs an den kaiserlichen Hof gekommen, um hier in der kaiserlichen Kapelle, wo neben dem Ruhm der Gelehr- samkeit auch Bistümer zu erwerben waren, Dienste zu nehmen. Der Ruhm dieses sächsischen Cicero) war so gross, dass der durch wissenschaftliches Genie noch mehr als durch die höchsten Würden der Welt berühmt gewordene Gerbert ihn für einen ebenbürtigen Gegner erachtete und in Gegenwart des Kaisers mit ihm dialektische Streitfragen erörterte. 10⁰ Othrik vernahm das Magdeburger Wahl-
¹) Giesebrecht a. O. I, 587.
2) Th. v. Mohr, Cod. dipl. I, No. 68 u. Stumpf, Reichsk. No. 782.
3) Giesebrecht a. O. I, 605 ff.
4) Dümmler, Otto d. Grosse p. 453.
5) Thietmar III, 8, wo im Datum ein Schreibfehler; cf. Ann. Sax. zu 981 u. Giesebr. a. O.
6) Sagitt. I, 178; Thietmar III, 1.
7) Thietm. III, 8.
8) Stumpf a. O. 801— 804; Cedici oder Cerici am See von Celano.
9) Thietmar III, 8; Ann. Magdeb.(Mon. Germ. XVI) 165; Vita II Adalberti: facundissimus aetate illa quasi Cicero unus.
1⁰) Giesebrecht a. O. I, 615.


