Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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Persönlichkeiten blieb nicht aus. Als der Bischof sich nach seiner Rückkehr aus Italien im Hoflager zu Treben einfand, wurde ihm von Otto als Lohn für seine treue und umfangreiche Thätigkeit in Italien der kaiserliche Besitz im Dorfe Beissingen übertragen, durch welchen das von Giselher zu Maggenrod neuerbaute Gut ausgestattet werden sollte. Die Intervention der Kaiserin Theophano, des Markgrafen Thietmar, der Grafen Wigger und Gunzelin und einer grossen Zahl anderer kaiserlicher Getreuer beweist, dass Giselhers Erfolg auf seiner Gesandt- schaftsreise in weiteren Kreisen gewürdigt wurde.¹) Indessen hatte jene diplo- matische Reise des Bischofs für den schnell anwachsenden Besitzstand seines Hochstifts bedenkliche Folgen gehabt.

Eben jener Markgraf Thietmar, der im kaiserlichen Hoflager von Treben als Intervenient für Giselher auftrat, hatte während des Bischofs Aufenthalt in Italien das in seiner eignen Grafschaft und ihm selbst also bequem gelegene, aber schon von Otto dem Grossen an das Bistum Merseburg verliehene Dorf Eytra in Besitz genommen. Giselher klagte nach seiner Rückkehr bei dem Kaiser auf Herausgabe des Dorfes. Otto nahm die Klage gütig auf und entschied mit Rück- sicht auf Giselhers treuen Dienst zu Gunsten des Hochstifts.) Aus diesem Vor-. gange erhellt, dass die Interessen der weltlichen Machthaber im Bistum Merse- burg mit denen des Hochstifts collidierten, dass also der jungen Stiftung von welt- licher Seite Schwierigkeiten bereitet wurden.

Die letzte Schenkung, die Kaiser Otto vor seiner Romfahrt, von der er nie zurückkehren sollte, an Merseburg machte, bestand in dem Hof Lengivelt. Auf Bitte der mit dem Sohn auf gespanntem Fuss lebenden Kaiserin-Mutter wurde sie im Februar 980 zu Memleben vollzogen. ³) 1

Seit der Inthronisierung Giselhers in Merseburg waren fast zehn Jahre ver- flossen. Des Bischofs Thätigkeit in kaiserlichem Dienst hatte zur Besitzerweiterung der bisher armen Diöcese beigetragen; von geistlichen Amtshandlungen Giselhers während dieses Decenniums wird uns nichts berichtet; und wenn auch die Ge- schichtschreibung den später so übel berufenen Mann mit parteiischer Feder ge- zeichnet hat, so lässt doch, was wir aus Urkunden über Giselher erfahren, in ihm den Hof- und Staatsmann, nicht den gottergebenen Heidenbekehrer erkennen. Der Zustand des Hochstifts ist unter Giselhers Regiment kein befriedigender gewesen. Markgraf Thietmar vergriff sich an Merseburger Kirchengut, so dass der Kaiser einschreiten musste; die Übergriffe des Halberstädter Bischofs Hildeward führten zu plutiger Fehde.4) Die Händel mit Halberstadt beunruhigten vielleicht die

¹) Leibnitz, Ann. imp. III, 379: Gisalharius... nostrae legationis ac servitutis causa, in quibus plus omnibus maxime ac fideliter laboraverat, de Italia rediens etc.

2) Stumpf, acta imp. ined. No. 19; cf. Sächs. Archiv 1876 p. 193 u. Hirsch a. O. I, 287. UÜber Thietmar marchio Geschichtsblätter für Stadt u. Land. Magdeburg X, p. 1 ff.

3) Höfer, Ztschr. I, 518.

4) Leibn. Ann. imp. III, 418: ne quicquam quicquid inter pastores ecclesiarum Halberstatensis et Merseburgensis homicidia plurima litigiis enutrita concrescant(im decretum deliberationis des Concils von 981.