Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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Sorge um das Seelenheil der Eltern veranlasste im folgenden Jahre 975 auch Kaiser Ottos II. einzige Schwester Mathilde, die 966 in Gegenwart der kaiser- lichen Familie und aller Fürsten und Bischöfe des Reichs zur Abtissin von Quedlinburg geweiht war, ¹) zu einer Schenkung an das St. Lorenzstift zu Merse- burg. Sie übertrug an dasselbe eine ihr von dem Bruder zu Geusa im Hessengau geschenkte Hufe. ²)

Das energische Vorgehen Ottos II. gegen seinen Vetter Heinrich den Zänker und die Arnulfinger übte auf die Verhältnisse bei Hofe Rückwirkung aus. Personen, denen der verstorbene Kaiser wichtigste Stellen eingeräumt hatte, sanken zur Bedeutungslosigkeit herab. Selbst der festbegründete Einfluss der Kaiserin- Mutter Adelheid war erschüttert.) Giselher hat die Krisis klug überwunden. Er behauptete in der neugebildeten Umgebung des Kaisers neben seiner Gönnerin Theophano und einem Kreise junger weltlicher Grossen unter den geistlichen Fürsten seine Geltung als kaiserlicher Rat.¹) Seine emsigen Dienste in dieser Zeit der Umgestaltung der Einflüsse werden weder von Thietmar noch von der Merse- burger Bischofschronik, obgleich sie alles lobenswürdige mit angemessenem Lobe hervorzuheben verspricht,) erwähnt. Giselhers Verdienst wurde am 30. Juli 977 zu Magdeburg auf Fürbitte Theophanos belohnt, indem der Kaiser den Besitzstand des merseburger Hochstifts durch Uebertragung seines Hofes Presniza) und der im Helmegau belegenen Ortschaften Athenfeld und Maggenrod:) erweiterte.

Während Otto in langen und gefahrvollen Kämpfen jeden Widerstand im Reiche brach, während er die Ansprüche der Karolinger auf Deutschland kraft- voll zurückwies und die Oberhoheit über Dänen, Polen und Böhmen behauptete,s) hielt er fest an des grossen Vaters grosser Idee, ganz Italien zu unterwerfen und mit Deutschland zu vereinigen. In Italien, wo die drei Weltmächte jener Zeit Deutsche, Araber und Griechen sich gleichsam wie auf der Wacht gegenüber- standen, der deutschen Sache eine Stütze zu geben, liess der Kaiser eine Gesandt- schaft abgehen. Ueber die specielle Aufgabe dieser Gesandtschaft sind wir nicht unterrichtet. Der umsichtige Giselher wurde derselben beigesellt, vielleicht zum Führer gegeben. Er hat das auf ihn gesetzte Vertrauen in glänzender Weise gerechtfertigt. Die Anerkennung des Kaisers und der bei Hofe massgebenden

¹) Giesebrecht a. O. I, 489.

2) Erath. Codex diplomaticus Quedlinburgensis, p. 17: pro suae parentumque suorum re- medio animarum.

3) Giesebrecht a. O. I, 577.

4) ibidem.

5) p. 167.

) Leibnitz, Annales imperii occidentis, III, 372: rogatu delectae contectalis Theophaniae ob iuge servitium Kisaltharii; über den Ort cf. Hirsch a. a. O. I, 293 u. Sächs. Arch. 1876, p. 193 ff.

¹) Höfer, Zeitschrift für Archivkunde, Diplomatie und Geschichte, II, 569: Carae contectalis nostrae Theophaniae adhortati rogacione nec non ob iuge fideleque servicium venerabilis episcopi

.. Kis... ii etc. s) Giesebrecht a. O. I, 587 ff.