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Otto der Grosse war durch politische Verhältnisse vom Dezember 966 bis zum August 972 ¹) in Italien festgehalten. Von dort aus hatte er 968 eine Auf- forderung an die drei Grafen der wendischen Marken ergehen lassen, dass sie bei der Einrichtung der drei wendischen Hochsifter dem Erzbischof von Magdeburg keinerlei Schwierigkeit in den Weg legen, sondern in allen Dingen zu willen sein sollten.²) Während der langen Abwesenheit des Kaisers wird zwar von den Chronisten besonderer Schwierigkeiten, die von seiten des Merseburger Markgrafen dem jungen Bistum gemacht wurden, nicht Erwähnung gethan, allein dass sich dem Empor- kommen der jungen Stiftung wirklich Hindernisse entgegenstellten, ist nicht nur zu vermuthen, sondern geht auch aus der von den Wenden mit Hohn überhäuften Stellung Bosos hervor. Wenn das Hochstift Merseburg seiner Aufgabe, Christen- tum und Deutschtum im Sorbenlande zu verbreiten und zu befestigen gewachsen sein sollte, so mussten seine Hilfsmittel vermehrt werden. Das hatte Otto der Grosse im Sinne, als ihn der Tod dahinraffte; des Vaters Absicht führte der Sohn aus, sicher nicht in Folge Giselhers Schmeichelworte, sondern politischer Not- wendigkeit.—
Die umfangreiche Schenkung an das arme Stift umfasste die Abtei Pöhlde, die Stadt Zwenkau mit allem Zubehör, das Stadtgebiet von Merseburg mit Juden- zoll, Markt und Münze, einen grossen zwischen Saale und Mulde und den Gauen Siusuli und Plisni und Rochlitz gelegenen Forst, endlich die Orte Kohren, Nercha, Pötsche, Taucha, Brandeis und Gundorf. Ueber alle diese Schenkungen wurden kaiserliche Urkunden ausgestellt,²) von denen uns erhalten sind die Schenkungsakte über Zwenkau und den Rochlitzer Forst. 4) Das Diplom über den Wildbann von Rochlitz hebt hervor, dass die Schenkung„pro piissimo Genitoris nostri Imperatoris Augusti animae remedio“ geschieht; das deutet wohl anf einen Zusammenhang mit Ottos des Grossen Plänen, der das letzte Himmelfahrtsfest in Merseburg verlebte, eifrig bemüht„quicquid de promissione remansit, devota mente ibidem complere.“ ⁵) Natürlich hat Giselher Ottos Pläne gekannt; er hing ⁰) sich an den jungen Kaiser, um die Ausführung der zweifellos notwendigen Dotation zu beschleunigen. Dazu war er ganz der Mann) und darin vertrat er ebenso des jungen Hochstifts— wie sein eignes Interesse.
¹) cf. Stumpf Reg. 414—513.
2) Breslau dipl. cent. p. 13: Vos autem marchiones nostros fidelitate nobis debita admonemus ne quid in hac ordinatione archiepiscopo nostro in vobis obstat, sed secundum dispositionem nostram et suam, ut vobis dixerit, flat, et quaecunque ab illo audieritis, nos velle sciatis.
3) Thietmar III, 1; über das Locale vergl. Kreysig a. O. p. 298.
4) Stumpf 634 u. 635, Wideburg Origines et Antiquitates Marggraviatus Misnici; II, 148.
5) Thietmar II, 27.
6) p. 5, Anm. 6.
7) Chron. Magdeb. 282: erat enim vir in hoc mundo valde idoneus et hanc ecclesiam multis donariis et possessionibus augeri fecit.


