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Adel des Reichs. Gross wie die Zahl der erschienenen Fürsten wird die Wichtig- keit der Geschäfte gewesen sein. Was verhandelt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. ¹)
Die letzte Reise des grossen Kaisers galt seiner lieben Stadt Merseburg; es war der erste und auch letzte Besuch, den er der jungen Stiftung und ihrem Bischofe abstattete; während seines Aufenthalts in Merseburg*²) waren Ottos Ge- danken ganz und gar mit dem innern Ausbau des Bistums beschäftigt; die Pläne, die er mit Merseburg hatte, auszuführen, vereitelte des Kaisers Tod, der ihn am Tage nach seiner Abreise in Memleben dahinraffte, viel zu früh für das junge Bistum Merseburg.²) Bei der Beisetzung der kaiserlichen Leiche in Magdeburg wird unter zahlreichem Klerus auch Giselher zugegen gewesen sein. ⁴)
Ohne Störung vollzog sich der Thronwechsel. Auf den achtzehnjährigen Kaiser Otto II. übten damals den grössten Einfluss die Kaiserin-Mutter Adelheid, ein Verwandter des kaiserlichen Hauses, der Bischof Theoderich von Metz, die ebenso schöne wie tugendhafte Kaiserin, die Griechin Theophano. Während die alten Ratgeber des verstorbenen Kaisers ihr Ansehen bei Hofe verloren, wusste sich Giselher in der Gunst des jungen Monarchen zu befestigen. Der über Gisel- hers Verhältnis zum Hofe allzu einsilbige Thietmar begnügt sich mit der Be- merkung, dass Otto II. den Bischof sehr liebte.5) Die mehr als 100 Jahre jüngere merseburger Bischofschronik, auf die ein gut Teil Abneigung Thietmars gegen Gisel- her übergegangen ist, aber fügt hämisch hinzu, der merseburger Bischof hätte mit der Elasticität des Jünglings sich schmiegsam wie Wachs den Ideen des jungen, mass- losen Kaisers angepasst und in Ottos Freundschaft eingeschlichen. Ehrgeiz und unersättliche Habsucht soll ihn getrieben haben, durch unermüdlichen Dienst da- heim und in der Ferne sich in des Kaisers Freundschaft zu befestigen. Das hätte dann freilich dem Hochstift, dem Bischof Giselher nur nominell Vater, thatsächlich aber Stiefvater war— in der That hatte er alle episkopale Thätigkeit aufgegeben — reiche Schenkung eingebracht.²) So die Chronisten.
Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, dass die reichen Dotationen, welche Otto II. gleich beim Beginn seiner Regierung dem damals noch armen Bistum machte, nur eine Ausführung der Pläne waren, über denen sein grosser Vater gestorben war. ⁰)
¹) Giesebrecht, Kaiserzeit I, 558.
2²) Stumpf, Reg. 528— 530.
3) Thietmar III, 27: quidquid de promissione remansit, de vota mente ibidem complere studuit.
4) Thietmar: corpus sepultum est ab archiepiscopis Gerone atque Athelberto ceterorumque auxilio episcoporum clerique totius.
5) eius provisori, quia hunc multum dilexerat, Thietm. III, 1.
) Wattenb. a. O. II, 249 über das Alter der Bischofschronik; Chron. Episc, Merseb. 167: Huie(sc. Ottoni) Giselherus, quia iuvenili animo ut cera flexibilis in omne fuit, subdola assiduitate pro maioribus acquirendis adhaerebat, et plurima bona écclesiae cui tunc praeesse videbatur hiis temporibus conquirit— und ibid. tam in longinquis quam propinquis regionibus regi indesinenter deserviens indefessa captione ampliora venatur— und ebend. nomine pater, effectu desolans vittricus.


