Aufsatz 
Erzbischof Giselher von Magdeburg : ein Beitrag zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit : 1. Teil / von Arthur Boehmer
Entstehung
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2 Stola überragten sie die weltlichen Würdenträger durch die höhere Bildung ihres Standes und durch die Kenntnis, welche die Besorgung der Geschäfte verlangte; auf sie stützte sich zum guten Teil die Regierung des Reiches überhaupt. ¹)

Zu den für königlichen Dienst vielfach in Anspruch genommenen Prälaten der sächsischen Kaiserzeit gehört Erzbischof Giselher von Magdeburg. Sein Name, der mit der Auflösung des Bistums Merseburg in Verbindung steht, ist seiner Zeit, später und auch in unseren Tagen viel genannt und viel gelästert worden. Ob die schweren Beschuldigungen, die namentlich sein jüngerer Zeitgenosse, der Bischof Thietmar von Merseburg, gegen Giselher ausgesprochen und die so viele andere nachgesprochen haben, wirklich in ganzem Umfange gerechtfertigt sind, soll bei einer Betrachtung seines Lebens und seiner Thätigkeit, wie beide aus den freilich spärlich fliessenden Quellen erkennbar, hier untersucht werden.

Bei der hohen Bedeutung, welche die Bischöfe durch ihr Amt und ihre Güter, am Hofe und daheim in ihrer Provinz, durch Heerdienst und andre Leistungen hatten, war die Bischofswürde ein vom hohen Adel eifrig erstrebter Lohn, und die meisten grossen Geschlechter der Zeit haben auch Söhne in die Bischofssitze ge- bracht. ²) Edle Geburt war jedoch nur eine Empfehlung bei der Bewerbung um die Bischofswürde; das Hauptgewicht wurde auf reiche Begabung, tüchtige Schulung und treue Ergebenheit gelegt. Giselher hat Vorzüge der Geburt und des Geistes in gleich hohem Grade besessen. Den Namen der Familie, welcher der Erzbischof entstammt, verschweigt Thietmar. ³)

Giselher trat in das St. Moritzkloster zu Magdeburg, zu dessen erstem Abt 946 Anno aus St. Maximin in Trier berufen worden.4) Der junge Mann erwarb sich nicht nur die Gunst scines Abts, sondern auch Kaiser Ottos des Grossen An- erkennung. Otto fand Giselhers Talent heraus und zog ihn in seine Hofkapelle.)

Die Hofkapelle war die Vorstufe zu dem hohen Amt eines Kirchenfürsten. Sie hatte die Erziehung und Anleitung der künftigen Prälaten zu besorgen. Freilich war die Hofkapelle keine Hofschule, wie sie zur Zeit Karls des Grossen bestand; ein regelmässiger Unterricht fand nicht statt; dem Studium der Wissenschaften wurde vielfach Abbruch gethan durch weltliche Geschäfte, zu denen die jungen Kapelläne herangezogen und ausgebildet wurden, jadie Kapelle war lange Zeit eine Schule mehr noch für den Staatsdienst als für den Dienst der Kirche, sie ward die Schule für die Kanzlei; aus der Zahl der Kapelläne wurde regelmässig

¹) Waitz, Verfassungsgeschichte VI, 269.

2) ibid. VII. 287 ff.

3) cf. Thietmar II, 23: moribus et natura nobili; Kreysig, Beiträge zur Historie der chur- und fürstl. sächs. Lande VI, 295:Es war dieser Herr von edlem Geblüt und vermutlich aus dem Geschlecht der Grafen von Nordheim. Worauf sich diese Vermutung stützt, ist mir unbekannt; Dreyhaupt, Chronik des Saalekreises I, 21 gesteht: es war aber Gisalharius eines adligen Herkommens, davon das Geschlecht zwar unbekannt.

4) cf. Thietmar II, 14; Wattenbach, Geschichtsquellen I, 267.

) Ann. Magdeb.